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Auf der Walz
In Rumänien die große Liebe getroffen
Almdorf. Großer Bahnhof für Torge Huhs. Schon lange vor dem angekündigten Zeitpunkt haben sich Dorfbewohner, Jugendliche aus der Breklumer Pfadfindergruppe "Rüm Haart", Mitglieder der Almdorfer Wehr, Freunde und Familienangehörige am Ortseingangsschild von Almdorf eingefunden. Dort, wo sich der mittlerweile 23-jährige Tischlergeselle vor drei Jahren und zwei Monaten von liebgewordenen Menschen verabschieden musste, trifft er nun gesund und munter wieder ein, zurück von seiner Walz. Fest verschnürt trägt er sein Gepäck auf den Schultern. Nur noch eine Hürde ist zu überwinden: das Ortsschild.
Wie seinerzeit beim Start helfen seine Walzbrüder mit beim symbolischen Akt. Elf Handwerksburschen haben den Nordfriesen auf der letzten Wegstrecke über das Nachbardorf Bohmstedt begleitet. Sie wollen nicht nur die Wiedersehensfeier miterleben, sondern sich auch von einem guten Kumpel verabschieden. Unter großem Jubel klettert Torge über das Schild und lässt sich in die Arme der Wartenden fallen. Freudentränen fließen reichlich.
"Schön, wieder da zu sein"
"Ich bin froh, dass Torge alles heil überstanden hat. Ich muss gestehen, dass ich in mancher Nacht zum Himmel hinaufgeschaut habe und an ihn denken musste", so Mutter Anita Huhs. Vater Rainer: "Ich wäre auch gern auf die Walz gegangen. Mein Sohn hat viel gewonnen." Überglücklich ist auch Krokusblütenkönigin Sina Heinrich, ihren Sandkastenfreund wiederzusehen. Beide hatten nicht nur die Kinder- und teilweise Jugendjahre gemeinsam erlebt, sondern sind sich auch danach immer wieder begegnet. Nicht minder freut sich Bürgermeister Werner Sutter mit.
"Schön, wieder da zu sein", bekennt der Heimkehrer. Richtig realisieren kann er das aber noch nicht. Zu lange ist er unterwegs gewesen, und er hat viel erlebt. Arbeit war immer da, und er hat ständig dazugelernt. Er hat neue Freunde gewonnen und reichlich Zukunftspläne geschmiedet. Aber: Für Torge Huhs war diese Zeit in der Ferne Alltag gewesen. Die Zurückgebliebenen hätten sicher öfter an ihn gedacht, als umgekehrt, meint er. "Ich habe Deutschland, die Schweiz, Spanien mit den Kanaren, das Baltikum, Rumänien und Afrika bereist und in vielen Betrieben arbeiten können. Überall habe ich eine Bleibe für die Nacht gefunden, manchmal gefroren und nette, freundliche Menschen kennengelernt. Die meisten Autofahrer hielten an, als ich getrampt bin", resümiert Torge.
"Die Erinnerungen würden bleiben"
In jedem Unternehmen sei er etwa drei Monate geblieben. In Namibia, Sambia und Tansania ging es hauptsächlich um Projektarbeiten, in Kapstadt vorwiegend um die Mitarbeit auf Neubauten. Einige Tage wird der junge Mann nun im Elternhaus ausruhen, bevor es ins bayrische Landshut geht. Dort wartet die Meisterschule auf den Almdorfer und seine große Liebe Lisa-Patrica. Die hat er in Hermannsburg/Rumänien kennengelernt. "Das war eine filmreife Geschichte", so Torge Huhs schmunzelnd. Berufskollegen hatten nämlich Lisa-Patricia zu ihm geschickt, als er nach einem Treppensturz seinen verstauchten Fuß kühlte. Eine Zigeunerin hatte der jungen Frau zuvor den Tipp gegeben, nach Hermannsburg zu gehen. Sie hörte auf den Rat - und traf so ihren Herz allerliebsten.
Die Stadt Hermannsburg hat den Nordfriesen auch wegen der historischen Bausubstanz begeistert. Alle Gebäude werden besonders gepflegt und erhalten. Er selbst war bei der Sanierung des historischen Treppenhauses der Gesellenherberge mit dabei. "Einiges hat sich in den drei Jahren verändert. Ich habe mich verändert und sicher auch meine Freunde. Einige sind gar nicht mehr da. Ich habe eine große Chance genutzt und würde jedem raten, ein solches Abenteuer zu machen", philosophiert der 23-Jährige. Es werde sicher ungewohnt sein, in Zukunft eine feste Wohnung und einen geregelten Tagesablauf zu haben. "Doch die Erinnerungen würden bleiben", ist sich Torge Huhs sicher.
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