HUSUMER NACHRICHTEN

 

Gemeinsam Opfern helfen

03. September 2010 | 04:20 Uhr | Von fu

Laden ein: Rolf Johannsen, Friedemann Magaard und Hans-Peter Johannsen (v. l.) Foto: bandixen

Breklum. Mehr als 11000 Straftaten ereignen sich Jahr für Jahr in Nordfriesland. Das weist die amtliche Kriminalitätsstatistik nüchtern aus. Aber hinter jedem "Fall" verbergen sich Einzelschicksale. Und während sich das Medien- und das öffentliche und das Interesse auf das mehr oder weniger spektakuläre Geschehen fokussiert, gerät die Situation der Opfer meist recht schnell aus dem Blick. "Dabei haben die auch ihr Paket zu tragen", betont Friedemann Magaard, Leiter des Christian-Jensen-Kollegs. Um Betroffenen und Interessierten Austausch und Hilfestellung anzubieten, lädt das Bildungshaus gemeinsam mit dem Weißen Ring und der Polizeidirektion Husum am Dienstag (7.) von 19 bis 21 Uhr zur Veranstaltung "Opfer sein" ein. Dabei wird der Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Verbandes für soziale Strafrechtspflege, Straffälligen- und Opferhilfe, Jo Tein, ein Einführungsreferat aus gesellschaftlicher Sicht halten. Anschließend berichtet in Opfer von seinen Erfahrungen. Fachlich nehmen dann Propst i.R. Sönke Pörksen, Rolf Johannsen vom Weißen Ring Nordfriesland und Polizeidirektor Hans-Peter Johannsen Stellung. In verschiedenen Gruppengesprächen können diese Aspekte vertieft werden, Teilnehmer spüren, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein sind.

"Eigenes Erleben macht sensibel", sagt Magaard. Denn das mussten er und die Mitarbeiter des Christian-Jensen-Kollegs im vergangenen Jahr schmerzlich erfahren, als bei einem Einbruch mit Brandstiftung das historischen Missionshaus ein Raub der Flammen wurde. Viele andere Einbruchs- oder Gewaltopfer machen ähnliche Erfahrungen: Schock und Schmerz sitzen tief - häufig viele Jahre lang.

"Es ist wichtig, die Opfer auch richtig anzunehmen", weiß Hans-Peter Johannsen. Denn die Polizisten gehören meist zu den ersten, die mit Opfern von Straftaten zusammenkommen - die einen nach einem traumatischen Erlebnis, die anderen in einer Routine-Situation und mit zeitlich begrenzten Möglichkeiten. "Das müssen wir mit Einfühlungsvermögen angehen", sagt Johannsen. Und darauf werde heute bereits bei der Polizei-Ausbildung geachtet. Betroffene werden im Einzelfall an die Opferhilfe verwiesen - Weißer Ring, Frauennotruf oder Kinderschutzzentrum. Außerdem gebe es ein Merkblatt für Opfer, die in den allermeisten Fällen nicht über Ihre Rechte in punkto Versorgung oder Schadensersatz wissen.

"Der Weiße Ring ist ein ganz wichtiger Partner für Opfer von Straftaten - quer durch das Gesetzbuch", so Rolf Johannsen. Viele bedürfen über Jahre einer Betreuung, unter Umständen auch therapeutisch. Und: "Die Familie ist immer mit betroffen." Der Weiße Ring bietet Betroffenen Beistand an. Er finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und - zurzeit jedoch spärlicher fließende - Zuweisungen aus Geldbußen. In besonderen Notsituationen wird auch wirtschaftlich geholfen. (www.weisser-ring.de)


 


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