HUSUMER NACHRICHTEN

 

Husumer Außenhafen

Gegen den Sanierungsstau

25. März 2011 | 04:50 Uhr | Von pst

Stadtführerin Sieglinde Demiss-Voigtmann mit einem alten Stich der Oldesloer Kuranlage. Foto: Rohde

Anlieger und Sympathisanten wollen den Außenhafen als Wirtschaftsfaktor der Stadt stärken

Husum. Gesucht: Ein Liebhaber für ein 140 000 Quadratmeter großes Wasserbecken an Schleswig-Holsteins Westküste - hervorragende Lage direkt am Weltnaturerbe Wattenmeer. Objekt: Der Husumer Außenhafen, von dem sich Kiel im Zuge der Haushaltskonsolidierungen trennen will. Kommunalisieren oder Privatisieren ist die Devise, die Wirtschaftsminister Jost de Jager ausgegeben hat. Seit Mai 2010 versucht die Landesregierung, Interesse zu wecken. Resonanz: gegen Null.

Beim Binnenhafen hat der Minister einen Teilerfolg verbuchen können. Seit Mitte 2010 ist das "Sahnestück" im Herzen der Stadt an die Interessengemeinschaft Husumer Hafen verpachtet - zum Preis von 5000 Euro jährlich. Den Außenhafen möchte de Jager am liebsten der Stadt Husum vermachen, ist aber bislang auf taube Ohren gestoßen. Und auch ein Privat-Investor ist weit und breit nicht in Sicht. Dieses Desinteresse hat aus Sicht von Vertretern der Hafen-Wirtschaft einen einfachen Grund, und der heißt "Sanierungsstau", so Volker Saupe vom Schiffsmakler Wilhelm E. F. Schmid. Und Michael Hinz von ATR-Landhandel ergänzt: "Seit 20 Jahren ist nichts investiert worden." Getan wird nur das Nötigste, statt Ausbaggern wird gespült. Ins Wackeln gekommene Spundwände werden nicht saniert, sondern allenfalls repariert.

Zwar hat der in Husum beheimatete Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN-SH) vor kurzem alte Schleusen-Reste im Außenhafen beseitigt. Seitdem soll die nautische Tiefe 4,70 Meter betragen. Aber nur in der Theorie. Die Praxis sieht nach Kapitän Hinz anders aus. Allenfalls 4,20 Wassertiefe seien im Außenhafen vorhanden - keine Rede von den 5,20 Metern, die die Hafen-Wirtschaft benötigt, damit auch die heute in der Küstenfahrt üblichen 2000-Tonner Husum im beladenen Zustand anlaufen können. "Es ist ein Kampf, die 4,20 Meter überhaupt zu halten," so Saupe. Und der Außenhafen ist derart verschlickt, dass kein Reeder ein Ausflugsschiff dort an- und ablegen lassen will - das tideabhängige Zeitfenster ist zu eng.

Dabei glaubt die Wirtschaft an den Hafen. ATR hat gerade 3,5 Millionen Euro in Verlade-Einrichtungen auf der Südseite des Außenhafens investiert (wir berichteten). Auch die Hauptgenossenschaft Nord (HaGe), die Silos und Lager an der Nord-Kaje besitzt, will sich nach Saupes Informationen wieder stärker engagieren und mehr Getreide, Futter- und Düngemittel über Husum umschlagen. Erster Schritt: Die HaGe hat den auf dem Nord-Kai stehenden Kran vom Land gekauft - Kiel wollte ihn verschrotten lassen.

Um den Hafen als Wirtschaftsfaktor besser ins Licht zu setzen, beginnen sich Anlieger und Sympathisanten zu organisieren. Eine erste Liste weist nicht nur ATR und Wilhelm E. F. Schmid auf. Auch die Husum Dock- und Reparatur GmbH, HaGe Nord, Repower, die Fischer, Hafenamt, LKN-SH, Wasserschutzpolizei und Wirtschaftsförderungsgesellschaft NF sind mit an Bord. Erstes Ziel: "Eine Hafen-Konzeption erarbeiten", so Michael Hinz. 60 000 Euro wird eine Expertise kosten, die aufzeigen soll, was alles möglich ist. Dazu gehört auch eine Art Ersatzteillager für Offshore-Windparks. "Dafür gibt es jetzt schon Resonanz", so Zander.


 


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