HUSUMER NACHRICHTEN
"nanoTruck"
Einblick in die Welt des Unsichtbaren
Husum. Drei Tage lang war der "nano
Truck" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMFG) zu Gast in Husum und präsentierte Nanotechnologie zum Anfassen und Mitmachen. Schüler der weiterführenden Husumer Schulen und interessierte Bürger tauchten ein in die faszinierende Welt der kleinsten Dimensionen. Unter dem Motto "Treffpunkt Nanowelten" lud die mobile Ausstellungs- und Erlebniswelt, die jährlich 110 Stationen bundesweit ansteuert, mit interaktiver Exponat-Schau, Labor-Bereich, Vorträgen und Kino-Beiträgen zum Kennenlernen des Status Quo einer der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts ein. Im Fokus standen dabei Chancen und Risiken der neuen Technologien, Produkt-Entwicklungen, revolutionäre Verfahren sowie innovative Therapien - und die Bedeutung für die Menschen.
"Den größten Aha-Effekt löst bei den meisten die Tatsache aus, in wie vielen Bereichen Nanotechnologie heute schon eine Rolle spielt, ob bei der Reifenproduktion, in der Medizin bei Displays und Computern", so Dr. Marco Kollecker, projektbegleitender Wissenschaftler. Der Truck sei "als Botschafter der Schlüsseltechnologie" unterwegs. Fasziniert sei das Publikum jedes Mal, was Materialstrukturen, also quasi unsichtbare Teilchen oder Kristalle, die millionenfach kleiner sind als ein Stecknadelkopf, zur Lösung elementarer Zukunftsfragen beitragen können. Ziel der Initiative "nanoTruck" sei die "offene transparente und vor allem verständliche Vermittlung dieser Technik", so die begleitenden Nano-Experten.
Bevor die Husumer Schüler das rollende "Experimentierfeld auf 18 Rädern" - wie das Ministerium den Truck nennt - erkunden durften, referierten die beiden begleitenden Wissenschaftler zum aktuellen Forschungsstand unter dem Motto: "Alles Nano oder was? - Grundlagen, Chancen und Herausforderungen der Nanotechnologie." Dabei erfuhren die Zuhörer, dass schon die alten Ägypter diese Technik nutzten - und unsere Vorfahren seit 1917 bei der Reifenproduktion: Die Ägypter nämlich verwendeten allerallerfeinsten Goldstaub, der nicht gold sondern rot ist, zur Produktion tiefroten Glases. Und bei der Reifenproduktion kommen nanokleine Rußpartikel zum Einsatz, um den Abrieb zu vermindern: historisch praktizierte Nanotechnologie ohne Namen. Denn den revolutionären Blick, der die Welt des "Unsichtbaren" sichtbar macht, ermöglichten erst spezielle Mikroskope wie die Raster-Elektronenmikroskope, die vor rund 20 Jahren auf den Markt kamen. Und damit bekam "das Kind" dann auch einen Namen.
Nach Theorie und der verbildlichten Erkenntnis, dass ein Nanometer einem Milliardstel Meter entspricht - und
damit 50 000 Mal kleiner ist als der Durchmesser eines Menschenhaares, stürmten die Jugendlichen die mobile Ausstellung. Hier wurde Bekanntes und theoretisch neu Vermitteltes be"greif"bar. Die Biologin Dr. Julia Donauer lud zur Reise in die Welt des Nanokosmos’ ein, wagte einen Ausblick in die Zukunft und präsentierte Effekte der nanotechnologischen und nanotextilen Forschung wie beispielsweise den Einsatz des Lotus-Effektes. Donauer und Kollecker beantworteten Fragen zu Forschung und Anwendung, aber auch ausbildungs- und berufsorientierte. 773 Unternehmen mit 63 000 Beschäftigten bilanziert das Land auf diesem Gebiet.
Makro - Mikro - Nano: In einem im Anschluss folgenden Workshop durften ausgewählte Schüler an Bord des Trucks noch experimentieren: In Zweiergruppen bauten sie mit Hilfe von Hibiskusblütentee, Büroklammern, Bleistift-Graphit und einem mit nanoskalischem Titandioxid (auch in weißer Wandfarbe und Sonnenmilch!) beschichteten Glasplättchen Solarzellen. Unter wolkenschwerem, nordfriesischem Himmel kamen die dann auch kollektiv zum Einsatz und entlockten dem Empfänger ein zartes "Happy birthday to you". Und alle waren begeistert!
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