HUSUMER NACHRICHTEN
Das Geheimnis um die Truhe aus Storms Zeiten
Husum. Das weiße Haus in der Wasserreihe 31, in dem heute das Storm-Museum residiert, enthält Geheimnisse, die noch unaufgeklärt sind: Auf dem Dachboden von Theodor Storms ehemaligen Wohnhaus wurde eine leere Holzkiste entdeckt.
Als die Stadt 1969 das Storm-Haus von Familie Grell gekauft und 1970 die Restaurierung des Hauses eingeleitet hatte - vor der Eröffnung des Museums im September 1972 - interessierte sich niemand für die kleine Bodenkammer, in der das Hausmädchen der Storms untergebracht war. Man war voll beschäftigt mit der Einrichtung des Storm-Museums in der oberen Etage - das untere Stockwerk war dem Husumer Stadtarchiv vorbehalten. In der Mädchenkammer stand völlig unbeachtet eine leere, unscheinbare Holzkiste, die später - beim weiteren Ausbau des Museums - in einer dunklen Ecke des Dachbodens abgestellt wurde. Die Truhe ist 105 Zentimeter lang, 50 Zentimeter breit und 65 Zentimeter hoch.
Erst jetzt konnte mit Hilfe von Akten aus dem Kreisarchiv Nordfriesland herausgefunden werden, dass diese Kiste dem ehemaligen Besitzer des Hauses, dem Zollinspektor von Astrup, zuzuordnen ist. Von diesem Zollinspektor hat der Landvogt Theodor Storm im Jahr 1866 das Haus übernommen. Auf dem schwarz-grau angestrichenen Deckel der Kiste sind nämlich die Buchstaben "CA" angebracht. Darunter - schwer leserlich, aber doch rekonstruierbar - die Information "Nr. 18", vielleicht ein Hinweis darauf, dass der Besitzer der Truhe einer Verwaltung oder einer militärischen Einheit angehörte.
Von Astrup hat, wie entsprechende alte Akten belegen, bereits 1858 als Kriegskanzlei-Sekretär der damaligen dänischen Armee-Verwaltung in jenem Gebäude in der Wasserreihe zur Miete gewohnt, das dem aus Dänemark stammenden Kaufmann und Gärtner Asmus Dyreborg Livony gehörte. 1860 hat von Astrup das Haus dann, wie aus den Akten weiter hervorgeht, von Livonys Witwe gekauft. Bis 1866 ist von Astrup als Zollinspektor nachweislich Besitzer des Hauses gewesen. Er blieb am 15. Februar 1864, als die dänischen Truppen Husum verließen und sich hinter die Düppeler Schanzen zurückzogen, in Husum - offenbar, weil er hier inzwischen als Zollinspektor eingesetzt war. Von 1864 bis 1866 hat in seinem Haus der Husumer Bürgermeister Friedrich Feddersen Stuhr mit seiner Tochter und seiner Haushälterin Dorothea Jensen, Storms späterer Frau, gewohnt. Im Oktober 1866 übernahm schließlich Landvogt Storm das Haus. Von Astrups Kiste wurde damals unbeachtet in der Mädchenkammer auf dem Dachboden des Hauses zurückgelassen.
Ein weiterer Beleg dafür, dass es sich bei der Kiste auf dem Dachboden um die eines Angehörigen der dänischen Armee handelt, ergibt sich auch daraus, dass diese von innen mit Formularen zugeklebt ist, die in der dänischen Armeeverwaltung gebräuchlich waren wie etwa Listen, in denen die Namen der Unteroffiziere eingetragen werden sollten. Vielleicht war der Kriegskanzlei-Sekretär von Astrup aber auch selbst ein Unteroffizier oder Corporal - was das "C" im Namenskürzel "CA" auf dem Deckel der Kiste erklären könnte.
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