HUSUMER NACHRICHTEN

 

Wie auf einer Insel inmitten der tosenden Naturgewalten

10. Februar 2012 | Von fu

Augenzeuge: Gerd Kühnast (75) lebt heute in Husum. Foto: vb

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Nordstrand. Draußen vor der Tür tobt der "Blanke Hans", drinnen in der verqualmten Gaststube fließen Teepunsch und Bier in Strömen. Hier harren viele Nordstrander in der Sturmflut-Nacht vom 16./17. Februar 1962 der Dinge, die große Teile der Insel in große Gefahr bringen werden. Zu der gemütlichen Runde beim legendären "Halligblick"-Gastwirt Edmar Dau gesellt sich auch der damals 25-jährige Jung-Lehrer Gerd Küh nast. Der Besuch ist aus dem Haus, seine schwangere Frau hat sich schlafen gelegt, "da bin ich noch mal raus an den Deich", erinnert sich der 75-Jährige. "Das war gespenstisch!", sagt er. Gegen den Wind gibt es kaum ein Halten und im spärlichen Mondlicht ist nur zu ahnen, wie der Sturm die Nordsee gegen den Deich peitscht.

In der vollen Gaststube ist es warm und heimelig - wie auf einer Insel inmitten tosender Naturgewalten. Dann geht es Schlag auf Schlag. Telefonisch geht eine Katastrophen-Nachricht nach der anderen ein: Um 22 Uhr wird der Deich des Nordstrander Neukooges überströmt, rutscht die Innenböschung ab. Die Bewohner werden alarmiert und zum höher gelegenen Herrendeich gebracht. Auch für den Trendermarschkoog wird die Räumung vorbereitet. Als dann auch noch kurz nach 23.15 Uhr die Nachricht eingeht, dass der Deich des Uelvebüller Kooges auf Eiderstedt gebrochen ist, ahnt auch der Letzte in der geselligen Nordstrander Runde, was die Stunde geschlagen hat. Vom Neukoog wird über Sprechfunk gemeldet, dass der Deich in den nächsten Minuten brechen wird. So weit kommt es dank glücklicher Umstände nicht - wider Erwarten beginnt das Wasser zu sinken.

Gegen 2 Uhr löst sich die Gesellschaft im "Halligblick" langsam auf. "Alle wussten, was am nächsten Tag zu tun ist", sagt Kühnast. Weil mit dem Mittags-Hochwasser eine weitere Sturmflut befürchtet wird, sammeln sich am frühen morgen alle arbeitsfähigen Männer an den beschädigten Deichen, um diese notdürftig zu sichern.

Gerd Kühnast packt mit an in den nächsten Tagen, aber vor allem macht er immer wieder Fotos, die die Schäden der Sturmnacht dokumentieren. Auch ist er dabei, als die Schäden auf der Hallig Nordstrandischmoor begutachtet und mit dem Adler-Schiff des Reederei-Gründers Kurt Paulsen Lebensmittel und Trinkwasser angeliefert werden.

Selbst ein Jahr später sitzen die Ereignisse noch tief. Zur zweiten Prüfung für das Lehramt an Volksschulen reicht Kühnast eine berufswissenschaftliche Arbeit für den Heimatkundeunterricht über die dramatische Sturmflut-Nacht ein. Seine Botschaft damals: "Die heranwachsende Generation muss schon in der Schule wach- und aufgerufen werden, sich stets der Gefahr von Seiten des Meeres bewusst zu sein und sich immer wieder die Ohnmacht des Menschen gegenüber der Natur vor Augen führen."


 


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