HUSUMER NACHRICHTEN
Unwetter mit Ansage: Orkantief "Vincinette" bringt Tod und Verwüstung über den Norden
Schwere Stunden für die Küste: Heino Hansen, Mitarbeiter des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz in Husum, verdeutlicht die dramatische Konstellation anhand der Wetterkarte vom 16./17. Februar 1962. Foto: bandixen
Nordfriesland. Im Sommer freuen sich die Menschen darüber, im Februar 1962 war es hauptverantwortlich für Tod und Verderben, für Sachschäden in Milliardenhöhe, gebrochene Deiche, überflutete Ortschaften und Stadtteile: ein kräftiges Azorenhoch. Im Sommer verspricht dies im allgemeinen herrliches Strandwetter. Doch im Februar 1962 betrachteten es die Meteorologen vom Hamburger Seewetteramt skeptisch. Denn während das Azorenhoch seine Fühler immer weiter nach Norden ausstreckte, sammelte sich über Neufundland und Labrador eisige Polarluft. Als die subtropische Warmluft schließlich auf die eisigen Massen traf, entwickelte sich ein Tiefdruckgebiet, das sich über Südgrönland teilte. Die wärmeren Schichten wanderten Richtung Nordmeer, der Rest zog Richtung nördliche Nordsee. Doch als der erst nach Norden gezogene Teil wieder südwärts strömte, war das Orkantief "Vincinette" geboren. Das Seewetteramt gab am Vormittag des 16. Februar für die deutsche Küste eine Sturmwarnung heraus. Der West/Nord/West sollte Stärke zehn bis elf, in Böen auch zwölf Beaufort erreichen.
Wolfgang Seifert, Leiter der Regional- und Seewetterzentrale in Hamburg des Deutschen Wetterdienstes, sagt, dass so eigentlich alle Orkane entstehen. Er spricht mit einem gewissen Stolz über seine Kollegen, die damals die Vorhersage herausgaben. Mit aus heutiger Sicht veralteten Methoden wurde das Unwetter nahezu genau vorhergesagt.
Der Meteorologe macht es deutlich: Heutige Vorhersagen von vier bis fünf Tagen sind so genau, wie 48-Stunden-Prognosen in den 1960er-Jahren. Lediglich der Kerndruck von "Vincinette" wurde mit 968 Hektopascal rund 20 hPa zu hoch angesetzt, wie nachträgliche Computerberechnungen ergaben. Dies ist aber noch kein Extrem, denn der Orkan "Verena", der im Januar 1993 besonders in Schleswig-Holstein schwere Verwüstungen anrichtete, kam sogar auf einen Kerndruck von 916 hPa.
Dennoch, trotz modernster Technik bleibe es immer nur eine Vorhersage mit vielen Unbekannten. Gegen die Gewalten der Natur ist kein Kraut gewachsen. Seifert betont, dass trotz der Deicherhöhungen und der Verkürzung von Deichlinien nach der Katastrophe von 1962, auch im Dezember 1999 eine Wiederholung der Februarflut hätte eintreten können. Denn zu diesem Zeitpunkt raste der Orkan "Anatol" über die Nordsee. "Wäre der Sturm etwas weiter südlich durchgezogen, dann hätte es bei uns ganz schlimm ausgesehen, so wurde aber hauptsächlich das nördliche und mittlere Jütland schwer getroffen." Selbst auf der Insel Sylt wurden aber noch Rekordwerte registriert. Die Schalen der Windmesser rotierten so schnell, dass in Böen mehr als 180 Stundenkilometer gemessen wurden. Auf Fehmarn waren es noch 146 km/h.
Nicht nur der eigentliche Sturm, so Meteorologe Seifert, sei 1962 für die Sturmflut verantwortlich gewesen. Viele Faktoren, wie Zugbahn und Tide spielten hinein. So habe es bereits drei Tage zuvor einen schweren Weststurm mit Orkanböen gegeben, der aber rasch abgeflaut sei. Doch dann kam das Orkantief "Vincinette", mittags am 16. Februar wurde die erste Böe der Stärke zwölf in Hamburg gemessen.
Die Sturmflut 1962 gilt im Nachbarland Dänemark hingegen nur als eine unter vielen. Der Sturm richtete auf den Inseln Römö, Mandö und Fanö Schäden an, aber im Vergleich zur Flut des Jahres 1981 war sie "harmlos". In diesem Jahr wurde mit 4,33 Meter über Normal Null der höchste Wasserstand der vergangenen 100 Jahre im dänischen Esbjerg gemessen.
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