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Husum

Mit Don Quichotte in die Werkstatt . . .

10. Februar 2012 | 04:50 Uhr | Von lap

Großer Andrang herrschte bei der Info-Veranstaltung im Ratssaal - entsprechend fiel das Interesse an der Bürgerwerkstatt aus. Foto: vb

. . . oder die Bürde des Bauamtsleiters, sich ständig wiederholen zu müssen / Bürger zeigen großes Interesse an der Entwicklung des Dockkoogs

Husum. Wegen Überfüllung geschlossen: Mehr als 70 Namen stehen seit Mittwochabend auf der Teilnehmerliste für die Bürgerwerkstatt, die sich zwei Sonnabende um die Ohren schlagen soll, um die Entwicklung des Dockkoogs voranzubringen. Nun ist es an der Verwaltung, die Schar der Interessenten so zu kanalisieren, dass am Ende die Effektivität nicht leidet. Abzüglich der rund 20 reservierten Plätze für Vertreter der Selbstverwaltung, Politik, Bürgerinitiative (BI) "Kein Ferien-Resort im Dockkoog", des Stadtbauamts und von Interessenverbänden, muss also im anonymen Losverfahren ein wenig ausgesiebt werden. Um das Ganze noch konstruktiv umsetzen zu können, sollte bei rund 60 Personen ein Schnitt gemacht werden, hatte Bauamtsleiter Rudolf Hölscher zuvor bei der entsprechenden Info- und Werbeveranstaltung im Rathaus verdeutlicht: "Wenn es am Ende ein bisschen mehr sind, werden wir das auch aushalten." Wer letztendlich am 18. Februar und 10. März jeweils von 10 bis 15 Uhr im Nordsee-Hotel dabei sein wird, erfährt dies zeitnah per Rundschreiben. Verbunden ist damit auf jeden Fall die - mindestens moralische - Verpflichtung, auch wirklich beide Termine wahrzunehmen.

Bürgermeister Uwe Schmitz und Hölscher erläuterten im Ratssaal das geplante Verfahren der Bürgerwerkstatt. Das war im Zuge der "Transparenz-Offensive", die sich alle Beteiligten mittlerweile selbst auferlegt haben, zwar bereits im Vorfeld mehr als einmal öffentlich gemacht worden - auch im Detail (wir berichteten). Doch an diesem Abend ging es schließlich darum, zur aktiven Teilnahme aufzurufen und der doppelten Klausurtagung buchstäblich Leben einzuhauchen. Angesichts eines Ratssaals, in den wegen des großen Andrangs noch weitere Stühle gestellt werden mussten, schien das eine reine Formsache zu sein. Ein zwischendurch per Handzeichen eingeholtes Stimmungsbild verfestigte den Selbstgänger-Verdacht: Werkstatt-Teilnehmer ließen sich in genügender Zahl rekrutieren.

So standen denn auch mehr andere Fragen im Mittelpunkt. Zum Beispiel die, wie viel der propagierten "Ergebnis-Offenheit" wohl noch möglich sei angesichts der sogenannten Leitplanken, die der Bürgerwerkstatt zur Orientierung dienen sollen: die Positionspapiere der Fraktionen, die sich mehrheitlich für die Variante "120 Hotel-Zimmer und 100 Apartments" bei noch zu klärender Gestaltung aussprechen, und die Maximal-Vorstellung der BI - ein schöneres Hotel, das durchaus auch größer als das bestehende ausfallen könnte, nebst Erhalt des Campingplatzes. Noch einmal wurde deutlich: Eine Null-Lösung - ob in Form einer "kompletten Ausweisung als gar nichts" (Schmitz) oder in der Es-bleibt-alles-wie-es-ist-Variante (BI-Sprecher Gerd Kühnast) - steht nicht zur Debatte. "Wir haben dort ein Hotel, das Bestandsschutz genießt", sagte der Bürgermeister. Heißt: Sollte die seit langem zum Verkauf stehende Immobilie, die längst nicht mehr zeitgemäß ist, eines Tages den Besitzer wechseln, kann nicht einfach der Abrissbagger anrollen.

Zur notwendigen Auseinandersetzung mit dem Bestand des Naturschutzgebietes gehört Hölscher zufolge auch die Frage, was mit dem städtischen Campingplatz passieren soll. Dessen Pächter, Gert-Ulrich Hartmann, will sich bald aufs Altenteil zurückziehen und meldete sich in der Versammlung zu Wort: "Es muss etwas passieren. Ich bin seit 20 Jahren dabei - es geht sukzessive rückwärts." Sein Vertrag werde jährlich verlängert: "Der 31. Dezember 2013 ist mein Stichtag - wenn es früher losgeht, auch gut . . ."

Als Don Quichotte, der sich immer wieder dem Kampf gegen Windmühlen ausgesetzt sieht, musste sich an diesem Abend einmal mehr der Bauamtsleiter fühlen. Woher eigentlich dieses Misstrauen komme, fragte Hölscher,

als Michael Graf ihn im Namen der BI noch einmal auf den "fein ziselierten" Bebauungsplan Nr. 80 "Dockkoog" ansprach - verbunden mit dem Hinweis, dass die Bürgerwerkstatt auf dieser Grundlage ja nicht mehr wirklich viel Gestaltungsspielraum habe. Was blieb, war die gebetsmühlenartig wiederholte Versicherung, dass es sich dabei lediglich um Eckdaten handele, mit denen die Stadt allererste Abfragen bei den Behörden gestartet habe. "Ein reines, unverbindliches Flächen-Layout", erklärte Hölscher. Schmitz sprang seinem Bauamts-Chef bei und hängte den kritisierten Entwurf ganz tief: "Da ist irgendetwas, das in der Bürgerwerkstatt völlig neu gestaltet und umstrukturiert werden kann."

Wenn sich die Teilnehmer draußen am Dockkoog mit dem Papier befassen, soll im Übrigen auch ein Vertreter aus der Investorengruppe (bestehend aus der Hamburger MPP Meding Plan + Projekt GmbH, der Aktiengesellschaft Drees & Sommer aus Stuttgart-Vaihingen und der Emdener Upstalsboom Hotel + Freizeit GmbH & Co. KG) dabei sein. Das machte Hölscher auf Anfrage deutlich: "Wir brauchen diesen klaren Sachverstand." Apropos: Gesetzte Teilnehmer wie Husums Tourismus-Chefin Jutta Albert bringen

ihr ganzes Fachwissen in den Workshop ein, um ein möglichst breites und fundiertes Spektrum abzudecken. Dabei geht es um den übergeordneten Kontext - und um viel mehr als die touristische Entwicklung (wir berichteten). Der Fokus liegt auf dem Areal zwischen Kleikuhle und Nordsee in Ost-West-Richtung sowie dem Landschaftsraum Porren- und Dockkoog und Hafen beziehungsweise Fahrrinne in Nord-Süd-Richtung. "Wir werden dafür alles zusammentragen, was es an Unterlagen dazu gibt", kündigte Hölscher an.

BI-Sprecherin Dr. Dörte Nicolaisen interessierte unter anderem die Verbindlichkeit des Verfahrens: "Wie fließen die Resultate aus der Bürgerwerkstatt in die weitere Planung ein?" Die Antwort gab der Verwaltungs-Chef: "Ich würde lügen, wenn ich behaupte, die Ergebnisse werden am Ende auch so beschlossen. Sie werden natürlich gewürdigt und angemessen berücksichtigt. Das letzte Wort hat die Politik."


 


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