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"Frischer Wind" trifft "Insider-Wissen"

17. Juni 2011 | 04:50 Uhr | Von hn

Im Streitgespräch offenbarten Uwe Schmitz (l.) und Martin Hanisch gegenteilige Ansätze, aber auch einige Gemeinsankeiten. Foto: Bandixen

Uwe Schmitz greift auf reiche Erfahrung in Husums Verwaltung zurück, Martin Hanisch will neue Ideen einbringen - wer wird am Ende Bürgermeister?

Husum. Marketing-Manager Martin Hanisch (48) gegen Hauptamtsleiter Uwe Schmitz (50) - zwei Anwärter treten am Sonntag zur Stichwahl um das Bürgermeister-Amt an. Während Schmitz als Kandidat von SPD, FDP und SSW ins Rennen geht, hat der unabhängige Bewerber Hanisch nun Wahlempfehlungen von der CDU und von dem im ersten Wahlgang unterlegenen Holger Eichhorn erhalten. In der Redaktion der Husumer Nachrichten trafen sich die beiden zum Streitgespräch und positionierten sich noch einmal im direkten Vergleich zueinander.

Hanisch: "Mir ist schon klar, dass das Bürgermeister-Amt kein politisches ist, sondern das des Verwaltungschefs. Aber ich bin der Meinung, dass der Kopf einer Behörde ruhig frische Ideen von außen einbringen sollte. Verwaltungsexperten gibt es im Rathaus ja genug."

Schmitz: "Gegen frische Ideen ist überhaupt nichts einzuwenden. Es ist auch so, dass eine Menge Verwaltungsspezialisten im Haus sind. Aber aus meiner Sicht ist es hilfreich, selbst ein Stück weit mit der Materie umgehen zu können. Letztlich geht es auch oft um Rechtsfragen."

Hanisch: "Da haben Sie natürlich einen Vorteil. Aber viele Dinge kann man sich im vernünftigen Miteinander aneignen. Und der Direktor einer Schule kommt auch nie aus der Schule selbst. Das hat einfach den Sinn, dass frischer Wind kommt."

Schmitz: "Aber man sammelt mit der Zeit vor Ort auch eine Menge Erfahrungs-Wissen an. Das ist mein Heim-Vorteil und den versuche ich natürlich, auszunutzen."

Hanisch: "Wichtig ist aber auch, sich flexibel und problemlösungs-orientiert auf veränderte Bedingungen einzustellen. Das Thema Offshore-Hafen zur Windpark-Versorgung etwa spielte zu Beginn des Wahlkampfs überhaupt keine Rolle. Der Außenhafen ist Ländersache, hieß es immer, das Thema schien durch zu sein. Das Konzept, das von der Stadt für den Hafen in Auftrag gegeben worden war, ging von einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke aus. Aber das war alles vor der Atom-Katastrophe von Fukushima. Mittlerweile gab es eine Kehrtwende in der Energie-Politik, Offshore hat einen neuen Stellenwert. Da kann man nicht nach dem alten Konzept weiter arbeiten, da muss man korrigierend eingreifen."

Schmitz: "Im konkreten Fall hat der Konzept-Autor selbstverständlich aktuelle Entwicklungen einfließen lassen. Aber es ging wohl mehr um die Frage des frischen Windes. Wobei ihr Standpunkt ja automatisch impliziert, dass langjährige Verwaltungs-Mitarbeiter nicht so gut darin sind, neue Ideen zu entwickeln."

Hanisch: "Man muss als Bürgermeister mit der Fahne vorangehen und zeigen, dass man Ideen hat. Zum Beispiel: Auch wenn die Verschiffung von großen Offshore-Komponenten wegen des mangelnden Tiefgangs nicht geht, so kann man doch den Außenhafen anbieten für die Versorgung der Plattformen mit leichteren Dingen. Man braucht draußen Catering, man braucht Service. Und für solche Dinge ist ein Hafen wie Husum absolut geeignet. Dafür müsste man ihn noch nicht einmal ausbaggern. Ich muss dann einfach vorausgehen. Und ich muss auch direkt mit allen Beteiligten sprechen."

Schmitz: "Grundsätzlich ist das richtig, was Sie sagen. Auch wenn der große Offshore-Zug abgefahren ist, ist es sinnvoll, den Hafen für Versorgungszwecke anzubieten. Eine weitere Option hier ist übrigens der Flugplatz Schwesing als Helikopter-Standort für Versorgungsflüge. Aber ich bin relativ konservativ, was den Hafen angeht. Mir ist es wichtig, da überhaupt die Arbeitsplätze zu erhalten."

Hanisch: "Um die Finanzlage zu verbessern, müssen wir alles Mögliche ausloten. Und wir müssen an das Tafelsilber ran. Etwa die Schulen, die durch den demografischen Wandel nicht mehr benötigt werden. Die Irene-Thordsen-Halle, das alte Rathaus und die Volkshochschule. Jedes Einzelobjekt, das man verkauft - privatisiert -, tut einem in der Seele weh. Aber man muss ja auch ganz konkret sagen, wo eigentlich das Geld herkommen soll. Und das ist ein relativ kurzfristiger Weg, um an Geld zu kommen."

Schmitz: "Viele Gebäude sind von der Substanz her ,abgängig', wir reden also nur noch von den verwertbaren Grundstücken. Und das alte Rathaus zu verkaufen, wurde schon einmal vergeblich versucht. Das wird also nicht meine erste Priorität sein. Wir müssen aber schon sehen, dass wir Gebäude loswerden, weil wir die Unterhaltung nicht mehr finanzieren können. Doch sanierte Schulen kann man nicht ohne weiteres verkaufen, weil bei den Förderzusagen immer die Auflage ,für schulische Zwecke' gemacht wurde.

Ich bin nicht mit großen Lösungsvorschlägen für die Finanzmisere an die Öffentlichkeit gegangen - ganz einfach, weil ich keine habe. Wir haben diesen Schuldenberg, aber wir haben auch immer darauf geachtet, Gegenwerte zu schaffen. Eben die Schulen oder das Nordsee-Congress-Centrum. Ob das weiter die Garantie dafür ist, dass die Windmesse in Husum bleibt, können wir im Moment aber gar nicht sagen. Es mag sich relativ flach anhören, aber ein bisschen können wir nur auf einen Aufschwung hoffen. Und das knappe Geld mit Augenmaß einsetzen."

Hanisch: "Man darf aber nicht abwarten, man muss das aktiv in die Hand nehmen. Wenn ich jetzt eine Folgekette aufmache mit dem Verlust der Windmesse heißt das auch: Verlust von Repower und Vestas. Man kann sich vorstellen, was das für die Finanzen der Stadt bedeutet. Also muss man alles Erdenkliche tun, damit die Messe hier bleibt. Und: Die Halle ist eine Mehrzweckhalle. Wenn die Windmesse wegbrechen sollte, muss ich sehen, dass ich andere Veranstaltungen bekomme - vom Musikantenstadl bis sonstwohin. Da muss man Klinken putzen gehen."

Schmitz: "Da teile ich Ihre Auffassung, wobei der Betreiber des NCC und der Messe nur in der Lage ist, die Pacht zu bezahlen, weil alle zwei Jahre Windmesse ist. Aber man muss versuchen, das NCC auch mit etwas anderem zu füllen.

Insgesamt glaube ich, dass die Stadt gefordert ist, Entscheidungen schneller zu treffen. Oft ist es so, dass die Verwaltung beauftragt wird, immer noch mehr Zahlen vorzulegen. Vielleicht muss man sich manchmal einfach trauen, etwas auszuprobieren. Und zu sehen, wie es läuft."


 


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