HUSUMER NACHRICHTEN
Fast so, als sänge sie nur für dich
Husum. Es ist gemütlich im Speicher. Kaffeetische, stimmungsvolles Licht. Auf der Bühne sitzt eine Schaufensterpuppe in Sommerkleidung mit einer Krone auf dem Kopf und glitzerndem Haar. Vor ihr eine Schüssel mit Schokoladen-Dukaten. Eine nette Anspielung des Speicher-Teams auf den Ehrengast des Abends: Dota Kehr, die Kleingeldprinzessin, ist da und mit ihr Gitarrist Jan Rohrbach. Mit bemerkenswerter Bühnenpräsenz legen beide auch gleich los. Dotas klare Stimme zwingt zum Zuhören. Die beiden Gitarren klingen wunderbar harmonisch.
Mal sind die Aussagen der Lieder wie "Immer die anderen" unbarmherzig direkt und gesellschaftskritisch, dann wieder augenzwinkernd ironisch. Aber auch melancholische Stücke gehören zu Dotas Repertoire, Lieder, die direkt ans Herz gehen. "Und dann, in Deinem Arm ist alles gut", singt sie und wünscht sich ohne jede Anmaßuung, "Trost geben zu können". Ein Blick ins Publikum verrät, dass ihr das gelingt. Verklärte Blicke und glückliche Gesichter allüberall.
Im Zuhörerraum sind alle Altersschichten vertreten, das Haus ist gut gefüllt. Für Dota offenbar ein Grund zur Überraschung: "Es ist ja wirklich voll hier. Wie kommt das?" Eine Erklärung ist sicher, dass auch Fans aus Flensburg und Kiel angereist sind, um sich diesen außergewöhnlichen Konzertabend auf keinen Fall entgehen zu lassen.
Zwischendurch lockert die studierte Medizinerin ihr Programm mit humorvollen Bemerkungen etwa über Anästhesisten auf oder rezitiert ein Gedicht. Das erzählt von einem Menschen, der krampfhaft Aufmerksamkeit erheischen will und sich dabei selbst vergisst. Die besondere Atmosphäre im Speicher macht es möglich, dass Publikum und Künstlerin immer wieder direkt miteinander ins Gespräch kommen. Dota antwortet geradeheraus, ohne Umschweife, fragt: "Ich darf doch Du sagen, oder?"
Überhaupt ist die Kleingeldprinzessin gar nicht divenhaft distanziert, sondern ausgesprochen "volksnah". Mehrmals animiert sie ihre Gäste zum Mitsingen. Während sie singt, blickt sie einzelnen Zuschauern lange und direkt in die Augen, lächelt, als wären die gesungenen Zeilen speziell für sie bestimmt. Dann wieder schaut sie wie entrückt in eine unergründliche Ferne.
Ganz anders Jan Rohrbach, der, während er spielt, kein einziges Mal den Kopf hebt. Dafür brilliert er mit virtuosen Soli und einem Klangtepppich, auf dem sich Dota so richtig entfalten kann. Und nach dem letzten Lied kündigt die Prinzessin an, dass sie sich morgen erst einmal Husum anschauen wird, bevor es weiter geht zum nächsten Auftritt.
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