HUSUMER NACHRICHTEN
Kleingärtner in Leck
Der Maulwurf ist hier ein guter Freund
Ein Stück Idylle: Die Pächter der Parzellen haben für die Gartenpflege allerlei Tipps parat. Foto: Stephan Bülck
Leck. Auf kleinen Fleckchen Erde wie auf großen Flächen entstehen Nahrungsmittel, produzieren Pflanzen Sauerstoff. Das und noch mehr macht den Boden, auf dem wir stehen, so kostbar. In unserer Sommer-Serie beleuchten wir das Thema Boden aus Sicht der verschiedenen Nutzer.
"Die Ruhe genießen"
Es ist früher Abend, die Sonne steht noch am Himmel. Sie taucht das über sechs Hektar große Gelände in ein unwirkliches Licht, lässt die vielen Blumen noch mal so schön erscheinen. "Die Ruhe genießen, mit den Menschen reden, einfach einmal von der Arbeit abschalten - dazu eine Tasse Kaffee - das ist schön." Roland Wolff gerät ins Schwärmen, wenn er in seinem Garten sitzt. So wie dem Vorsitzenden (seit 2001) geht es auch den anderen Angehörigen des vor 76 Jahren gegründeten Kleingärtnervereins Leck. Für die Pflege der 80 Parzellen (200 bis 400 Quadratmeter groß) und den Anbau sind die Mitglieder, derzeit sind es inklusive der Passiven 134, selbst verantwortlich.
Unterschiedliche Böden
Das Land gehört der Gemeinde, der Verein hat einen Generalpachtvertrag. "Der Boden auf dem Kleingartengelände ist höchst unterschiedlich. So gibt es Lehm haltigen, humosen und auch reinen Sand-Boden", sagt Otto Gressmann. Der 77-jährige ehemalige Lehrer ist Fachberater des Vereins, gibt den Mitgliedern Tipps und Hilfestellung.
Jeder nutzt seinen Garten anders - manchmal vom Boden abhängig. Sandboden erwärmt sich schnell, verweht aber auch, wenn er nicht feucht gehalten wird. Dann gibt es Parzellen mit einem hohen Feuchtigkeitsgrad. Manchmal macht die Ortsteinschicht den Pächtern Kummer. So auch Roland Wolff. "Die ist mit einem Spaten nicht kaputt zu kriegen." Während bei ihm nur kleine Kartoffeln wachsen, gibt es Mitglieder, die bis zu 400 Gramm schwere Erdäpfel aus dem Boden holen.
Bäume und Gemüse
Einige Kleingärtner setzen auf die Aussaat und die Zucht von Gemüse oder Kräutern, andere freuen sich über eine vielfältige Blütenpracht. Alle Arten von Blumen aber auch Obstbäume sowie Buchen, Eichen, Kastanien oder Birken sind hier vertreten.
Roland Wolff reibt an einem Liebstöckel-Blatt, das sofort einen unbeschreiblichen Duft verbreitet. "Beim Grillen aufs Fleisch legen - das ist lecker." Auf seiner Parzelle wachsen Oregano und andere Gewürze, Kohl und Zwiebeln, in einem kleinen Treibhaus Peperoni und Tomaten. "Jeder kann hier gärtnern, wie er es mag", sagt der Vorsitzende - natürlich mit Einschränkungen. Auf und in den Boden des Vereins kommt nur organischer Dünger. Beliebt ist nach wie vor der selbst gemachte Humus - mit dem Schnellkomposter oder wie anno dazumal schrittweise selbst aufgeschichtet. Otto Gressmann rät, Rasenschnitt auf keinen Fall gesondert aufzuhäufen. "Der fault. Kleinmaterial und kleine Äste müssen dazwischen, damit der Sauerstoff eine Chance hat, das Material zu zersetzen." Erlaubt ist auch Kaffeesatz. Lebensmittel gehören nicht auf den Komposthaufen. "Und dann umschaufeln. So entsteht mit Hilfe von Organismen humusreicher Dünger."
Schwere Böden - leichte Böden
Wann wird umgegraben? Im Herbst oder im Frühjahr? "Das ist eine Weltanschauung", sagt Gressmann und tendiert dazu, schwere Böden im Herbst und leichte Böden im Frühjahr zu bearbeiten. Den Maulwurf sehen weder Roland Wolff, noch seine Stellvertreterin Adele Bulgrin als Feind an. Er ist sogar das Wappentier des Vereins. Otto Gressmann: "Die Schäden stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen für den Garten." Wer den Maulwurf dennoch vertreiben möchte, kann Molke in die Gänge kippen, rät er.
Gefahren
Gefahr droht den Gewächsen auf vielerlei andere Weise: Kartoffelfäule, bakterielle Erkrankungen, Kartoffelkäfer. Otto Gressmann: "Was wir dagegen einsetzen dürfen, ist auf Listen des Landes- oder Kreisverbandes vermerkt."
Tote Fische
Tricks, um das Wachstum der Pflanzen zu fördern, gibt es viele. Adele Bulgrin: "Wir haben aus Russland stammende Mitglieder, die unter die Kartoffelpflanzen jeweils einen kleinen, toten, rohen Fisch legen." Die dadurch freigesetzten Nährstoffe kämen den Pflanzen zugute. ´
Ideen und Fantasie
Nicht alle Anpflanz-Versuche sind erfolgreich. "Auberginen wachsen hier nicht, dafür ist es zu kalt." Und auch Feigen oder Pfirsiche sind hier noch nicht geglückt. "Einem früheren Mitglied aus Libyen ist es gelungen, die verschiedensten Bohnenarten und Kräuter zu ziehen", erinnert sich Roland Wolff. "Ideen und Fantasie musst Du haben." Und ein bisschen Glück gehört wohl auch dazu.
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