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Der Mann für die ersten Geigen

06. September 2010 | 04:40 Uhr | Von Antje Walther

Hat den Bogen raus: Marcus Honneger und seine Orchester-Kollegen geben im Nordsee-Congress-Centrum fünf Konzerte. Foto: staudt

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Husum / Flensburg. Marcus Honegger hat buchstäblich Musik im Blut. Entfernt sei er verwandt mit Namensvetter Arthur Honegger, dem franco-Schweizer Komponisten, der noch im 19. Jahrhundert geboren wurde. Der Nachfahre kam 1960 in Heidelberg zur Welt und ist seit 1989 erster Konzertmeister des Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchesters.

Eine solche Position dürfe man nicht ablehnen, sagt Marcus Honegger - ganz gleichgültig, wo man sie antreten werde. Seiner ersten Einladung zum Probenspiel 1989 folgte eine weitere ans Theater in Flensburg, erinnert sich Honegger. Der scheidende Konzertmeister habe den damals 28-Jährigen für zu jung befunden und zögerte mit der Zusage. Honegger reiste ein zweites Mal an, in der dunklen Jahreszeit.

Inzwischen ist für den Heidelberger die 21. Spielzeit am Landestheater angebrochen. Seine Aufgaben als Konzertmeister bestünden darin, zunächst die erste Geigengruppe zu führen und in zweiter Linie die gesamten Streicher. Zudem richte er die Bogenstriche ein und spiele Soli. "Ich war mit Abstand der Jüngste", berichtet der 49-Jährige von seinen Anfängen im Orchester; viele Musiker hätten vor der Pensionierung gestanden. Heute sei das umgekehrt, ergänzt er und schätzt die vielen "sehr jungen, sehr guten, sehr wachen" Kollegen. Für das sein Studium in Hannover krönende, 1990 abgelegte Konzertexamen habe er von Flensburg aus geübt.

Die Atmosphäre im Sinfonieorchester lobt Honegger in höchsten Tönen, beobachtet wenig Streit, durchweg seit zwei Dekaden. Es lohne auch nicht, die ohnehin harte Arbeit zu erschweren. "Man ist aufeinander angewiesen", nie für sich, müsse auf Hundertstel präzise spielen, arbeite "ganz dicht" zusammen. Dennoch seien die Zeiten gerade besonders anstrengend, gibt Honegger angesichts der ungewissen Zukunft zu. Angst habe er vor allem darum, dass das Theater in seiner Vielfalt beschnitten werden könnte, wenn die Regierung geschehen ließe, was er für "unklug" hält. Denn in der Vielseitigkeit sieht der Geiger die Stärke des Landestheaters und auch die Verantwortung, weil es die "einzige große kulturelle Einrichtung ist, die in allen Sparten versorgt". Das Repertoire reiche von "Wagner bis Wozzeck", beinhalte Musical und Kirchenmusik.

Wenn der Sohn zweier Augenärzte doch mal den Bogen aus der Hand legt, ist es wahrscheinlich, dass er sich aufs Fahrrad schwingt und ins Grüne fährt - oder vielleicht auch nur zwischen zwei Proben durch die Innenstadt von Flensburg radelt.


 


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