NORDFRIESLAND TAGEBLATT
Bundesamt sorgt für Fliegerfrust
Bewundern die "Minimoa": Rudolf Schuegraf, Hans-Ulrich Henningsen, Wolfgang Börnsen, Gerhard Allerdissen und Rainer Hüls (v. li.). Foto: cw
Aventoft. Eine "Minimoa", Baujahr 1939. Weltweit gibt es davon nur noch vier Exemplare. Wolfgang Börnsen war beeindruckt von der "Königin der Lüfte, die wie eine Möwe fliegt", wie Hobby-Pilot Gerhard Allerdissen das historische Flugzeug beschreibt. CDU-Bundestagsabgeordneter Börnsen besuchte mit seinem parlamentarischen Mitarbeiter Jörg-Peter Behrens den Luftsportverein Südtondern (LSV).
Die Politiker waren nicht die einzigen Gäste, die LSV-Vorsitzender Hans-Ulrich Henningsen auf dem Segelflugplatz begrüßen konnte. Auch Rudolf Schuegraf, Chef des Europe Airsports und zugleich Vorsitzender der technischen Kommission des Deutschen Aero Clubs (DAeC), verschaffte sich einen Überblick über einen Teil des zwölf Maschinen umfassenden Segel- und Motorflugzeugparks der Aventofter. Doch es ging nicht allein, um die schönen Maschinen. Den Aventofter bereiten die national geforderten zusätzlichen Wartungsauflagen und damit verbundenen zusätzlichen Kosten für besondere Luftfahrzeuge besondere Bauchschmerzen.
Wie Ulf Ewert, Werkstattleiter des DAeC aus Osnabrück, erläuterte, erfolgen die Wartung und Instandhaltung der Maschinen seit 2003 nach den Vorgaben der Europäischen Luftsicherheitsagentur. Deren Einhaltung wird national kontrolliert. Für bundesweit 317 Segel- und gut 1100 Motorflugzeuge, die etwa fünf Prozent des Gesamtbestandes ausmachen, hat das Luftfahrtbundesamt nun noch einen zusätzlichen sogenannten Anhang 2 geschaffen. Danach dürfen besondere Luftfahrzeuge zusätzlich zum europäischen Recht nur noch in speziellen Werkstätten gewartet werden, was sich dann mit zusätzlichen Kosten in Höhe von 500 bis 1 000 Euro pro Luftfahrzeug bemerkbar macht. Dieses bestätigte auch Rainer Hüls. Der Leiter des lufttechnischen Betriebes und Prüfleiter für Hamburg und Schleswig-Holstein kontrolliert die Flugzeuge alle zwölf Monate.
Gerhard Allerdissen, Initiator der Zusammenkunft in Aventoft, betonte: "Wir erhalten keine Zuschüsse und wollen kein Geld, sondern nur eine Änderung in der Verordnung und keine zusätzliche Gebühren." Mit diesem Anliegen setze sich der 88 Mitglieder umfassende LSV für sämtliche deutschen Luftsportvereine ein, betonte Allerdissen. Das öffentliche Interesse begründete er damit, dass nicht nur Piloten darauf Wert legen würden, historische Luftfahrzeuge als Kulturdenkmale zu erhalten. Vielmehr würden sich auch viele Jugendliche für den Luftsport und die "Oldies" interssieren. Weiter betonten die Experten, dass aus dem Segelfliegen zahlreiche Neuentwicklungen für die Industrie hervorgegangen seien, wie die Flügel- und Kunststofftechnik. "Unter Nutzung der Sonnenenergie wollen wir unter einem freien europäischen Himmel fliegen", unterstrich Gerhard Allerdissen die Ziele der rund 80 000 Segelflieger in Europa, davon etwa alleine 30 000 Deutschland.
Börnsen zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Aventofter Segelflieger. Er selbst hat zu Hause ein eigenes Museum und weiß daher Kulturgüter in besonderem Maße zu schätzen. "Hierzu gehören auch die Flugzeuge als technische Kulturdenkmale. Ohne sie würde die Menschheit und die Region verarmen", betonte er. Der Politiker wolle sich bei dem Gesetzgeber dafür einsetzen, an der Gebührenordnung und den Wartungsauflagen etwas zu ändern, versprach er. Diesbezüglich habe er bereits im Vorfeld, gemäß dem Antrag des LSV Südtondern, einen entsprechenden Brief an Bundesverkehrsminister Ramsauer gesandt, erklärte Börnsen. Hierin hat er auch an die Gleichbehandlung von Oldtimerluftfahrzeugen angeregt, wie es schon jetzt für historischen Kraftfahrzeuge gilt.
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