HUSUMER NACHRICHTEN
Rotary Club Husum
"Angemessen auf die globalen Herausforderungen reagieren"
"Die düsteren Zukunftsprognosen scheinen zu überwiegen. Aber Zukunft ist das, was wir nicht wissen. Vielleicht entwickeln sich ja viele Dinge zum Positiven." Mit diesen Worten schloss Professor Dr. Michael Salewski seine Ausführungen im Rahmen des 28. Westküstentreffens des "Rotary Club Husum" im Rittersaal des Schlosses. "Die Bundesrepublik Deutschland an der Schwelle zum siebten Jahrzehnt ihres Bestehens" hatte der Historiker - er war von 1980 bis 2003 Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Christian-Albrecht-Universität Kiel - seinen Vortrag überschrieben. Die Bilanz seiner "Zukunftsaussichten" stimmten so manch einen der über 120 Gäste nachdenklich.
"Ich habe großen Respekt, dass sie trotz ihrer schweren Erkrankung den Termin wahrgenommen haben", dankte Reimer Vollersen, der Präsident des Rotary Clubs (RC) Husum, dem in Begleitung seiner Frau Petra im Rollstuhl angereisten Professor aus Eckernförde. Zudem freute sich Vollersen darüber, dass so viele Mitglieder weiterer Rotary Clubs, Husums Bürgermeister Rainer Maaß und Mitglieder des befreundeten Husumer Lions-Clubs der Einladung gefolgt waren.
An der Schwelle des neuen Jahrzehnts könnten auch die besten Analysen aus der Vergangenheit nur Mosaik stücke für die Zukunft sein, so Salewski. In den kommenden zehn Jahren könne vieles noch schlechter werden. Die konservative Ansicht, das Bestehende zu bewahren, sei deshalb für manch Einen wichtig. Die soziale Marktwirtschaft sei der große Erfolg Deutschlands. Alle Fundamente des Sozialstaates müssten in den kommenden zehn Jahren gehalten werden. Die Geschichte habe gezeigt, ein Staatsbankrott könne zum Umsturz führen. Reiche Oberschichten müssten dem Staatsgebilde helfen, forderte der Professor. Wichtig sei es, den sozialen Frieden zu bewahren.
Professor Salewski hofft, dass die innere Sicherheit in der nächsten Dekade erhalten bleibt. "Deutschland ist keine Insel der Seligen, deshalb gehen uns die anderen etwas an. Wir müssen angemessen auf die globalen Herausforderungen reagieren", betonte er. In den kommenden Jahren werde die Europäische Union weiter zusammengeschweißt. 80 Prozent der Gesetze kämen bereits aus Brüssel.
"Das ist Hegemonie ohne Zwang". Die EU-Außenpolitik müsse mehr bieten als die der einzelnen Mitgliedsstaaten. "Irgendwann werden die anderen Staaten die EU als Einheit betrachten", prophezeite Salewski.
Im Bereich der deutschen Bildungspolitik sieht der Professor erhebliche Defizite. "Bis 2020 wird eine Generation heranwachsen, die zwar tolle Titel, aber keine gute Ausbildung hat". Rund 60 Prozent der Abiturienten spricht er die Studierfähigkeit ab. "In zehn Jahren haben wir eine vermeintliche Elite herangezogen. Die aber kann mit den komplexen Themen nicht umgehen", kritisierte er die derzeitige Bildungspolitik und die Chancen-Ungleichheit in der Bevölkerung. Hochklassige Bildung sei das A und O in technikorientierten Industriestaaten. Im Bereich der Umwelt und im Energiemangel der kommenden Jahre sieht Salewski weitere Problemfelder. Nach dem viel beachteten Vortrag tauschten die Gäste des Westküstentreffens am Buffet Gedanken aus.
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In der Osterausgabe der Zeitung wird der Aufsatz "An der Schwelle" veröffentlicht, der wesentliche Elemente oder den ganzen Vortrag enthält.
Die Analyse der jüngeren Geschichte enthält viele kluge Gedanken, einige beachtlich klare Wertungen, aber beim Blick in die Zukunft ist auch der Historiker auf die Kristallkugel angewiesen.
Sehr bedauerlich, wohl dem Zeitgeist geschuldet sind seine Ausführungen über Erderwärmung und Energiemangel als den angeblich größten Herausforderungen der nahen Zukunft. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, daß die Erde "buchstäblich untergehen" wird, wie Professor Salewski es ausführt. Seine düstere Prognose über einen bevorstehenden Energiemangel ist keineswegs originell, denn der Club of Rome hat schon vor 40 Jahren des bevorstehende Ende der Erdölvorräte gesehen. Tatsächlich sind die bekannten nutzbaren Vorräte seither stetig gewachsen.
Die Steinzeit ist nicht zu Ende gegangen, weil die Steine ausgingen. Das Erdölzeitalter wird nicht zu Ende gehen, weil das Erdöl aufgebraucht ist, sondern weil kluge Menschen bessere Wege der Energieversorgung entdecken werden. Schade, daß Professor Salewski sich an der Stelle nicht getraut hat, die optimistische Variante der Kristallkugel in die Hand zu nehmen