HOLSTEINISCHER COURIER

 

Rollende Schätze stoppten in Kleinkummerfeld-Bahnhof

20. September 2011 | Von orn

Das Ehepaar Helga (67) und Dietrich Nissen (77) hält gemeinsam den alten Daimler von 1934 in Schuss. Das Auto wurde in England gebaut und ist ein Rechtslenker. Foto: Bornholt (2)

Gross kummerfeld. Es riecht nach Benzin als die 35 Oldtimer tuckernd auf den Parkplatz des Eisenbahnmuseums in Kleinkummerfeld-Bahnhof einbiegen. Der Motorsportclub Kaltenkirchen hatte am Sonnabend zusammen mit dem Veteranen-Fahrzeug-Verband eine Rundfahrt quer durch den Kreis Segeberg organisiert. Von Kaltenkirchen ging es über Bad Bramstedt, Kleinkummerfeld, Wahlstedt und Stuvenborn wieder zurück nach Kaltenkirchen - rund 130 Kilometer.

"Die Autos sind alle sehr gepflegt, sonst würden sie über 100 Kilometer ja nicht ohne Probleme überstehen", sagte Marc Petersen (45). Er fuhr "nur zur Sicherheit" mit dem Abschleppwagen hinterher. Zusammen mit seinem Sohn Timo (11) bestaunten beide die alten Fahrzeuge. "Mir gefallen die Eisenbahn im Museum und die alten Autos", sagte der Elfjährige. Viele der Fahrzeuge wurden in den 30erJahren gebaut. Sogar ein Ford T von 1914 fuhr mit.

Piloten und Fahrzeuge kamen aus dem gesamten norddeutschen Raum und genossen die Kaffeepause in Kleinkummerfeld. Trotz des guten Wetters fanden sich nur wenige Zuschauer ein. Johnnie Hahn (74) und seine Frau Dagmar (67) reisten von Weddingstedt in Dithmarschen extra an, um einen Blick auf die Oldtimer zu werfen. "Die sehen alle so unbenutzt aus", staunte Dagmar Hahn über den guten Zustand der Autos. Dabei haben einige der Fahrzeuge schon schlechte Zeiten gesehen. So der Ford A, Baujahr 1930, von Hans-Jürgen Linde (76) aus Hamburg. "Ich habe den Wagen 1965 für 400 Mark auf einem Schrottplatz in Dänemark gekauft", erzählte er. Erst nach zwei Jahren Aufarbeitung konnte er das Auto wieder anmelden. Inzwischen hat der gelbe Wagen einige Extras, so eine kleine Figur auf der Motorhaube, die per Fernbedienung Wasser verspritzt. Wer so viel Zeit in sein Auto steckt, sieht es nicht so gerne, wenn jedermann das Schmuckstück anfasst.

Die englische Daimler Limousine ist der ganze Stolz von Dietrich (77) und Helga Nissen (74) aus der Nähe von Flensburg. "Das Fahrzeug wurde in England in Lizenz gebaut", erklärte Dietrich Nissen. Seit zwölf Jahren fährt er mit dem 1934 gebauten Auto. "Das Auto ist zwei Tage jünger als ich", sagte er schmunzelnd. Als die Eheleute das Auto anschafften, "war es ziemlich hinüber, verkehrte Lampen, Achsbruch, das Fahrzeug war in einem desolaten Zustand", sagte Dietrich Nissen. "Ansonsten kann man so ein Auto aber auch nicht kaufen", verwies er auf den finanziellen Aspekt.

Immerhin: Die rollenden Schätze fallen jetzt auf jeden Fall nicht im Wert.


 

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