HOLSTEINISCHER COURIER
Walter arbeitet im Wald mit viel Kraft und doch schonend
Grossenaspe. Ruhig steht Walter am Forstrand. Nur seine Ohren sind nach hinten gerichtet, um keinen Schnalzer von Peter Isenberg zu versäumen. Es geht zum Bäumerücken. Walter ist ein Schleswiger Kaltblut-Wallach und beherrscht seine schwere Arbeit unter den Waldkronen aus dem Effeff. Schließlich haben schon seine Vorfahren dem Menschen beim Bergen der gefällten Stämme geholfen. Am Sonntag demonstrierte er im Wildpark Eekholt, wie das geht.
Zahlreiche Besucher beobachteten das Geschehen am Rande des Moor- und Heide-Bereiches. Peter Isenberg, der nun schon in dritter Generation auf Hof Kamp in der Holsteinischen Schweiz die vom Aussterben bedrohte Pferderasse züchtet, ist von den freundlichen und ausdauernden Arbeitstieren überzeugt: "Viel Ausbildung brauchen sie nicht. In einem Monat sind sie perfekt für den Einsatz im Forst." In Hanglagen und auf feuchtem Gelände seien sie zum Herausrücken der gefällten Stämme ideal. Und Isenberg erläutert die Vorteile: "Schon das Schlagen von großen Schneisen für den Einsatz schwerer Maschinen kann vermieden werden. Pferdehufe schädigen den Waldboden wesentlich geringer als die Forstmaschinen, der Boden wird kaum verdichtet. Und Pferde tragen keine Schadstoffe in den Wald."
Dabei können die stets freundlich und aufmerksam blickenden zumeist fuchs-farbenden Schleswiger bei einem Stockmaß von um die 1,60 Meter eine ganze Menge bewältigen. "Was wir hier an Stämme ziehen, ist für die Pferde ein Kinderspiel", sagt Isenberg. Und er zeigt auf einen Stapel von fünf mittleren Fichten. "Die würde er auf einmal schaffen. 350 Kilo Zugkraft haben sie drauf."
Früher war die schleswig-holsteinische Kaltblut-Rasse im Norden weit verbreitet und aus der Landwirtschaft als Zug- und Fahrpferd nicht weg zu denken. Über 20 000 Tiere gab es auf den Höfen. Doch Mitte der 1970er-Jahre war die Population auf 40 geschrumpft. Die Schleswiger stehen auf der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutztierrassen. "Wir haben auf Gut Kamp einen Bestand von 25 Pferden, mit dem wir versuchen, den Erhalt zu retten. Vier davon sind zum Holzrücken im Einsatz." Doch Peter Isenberg schränkt ein: "Es wird immer schwieriger, mit dem Einsatz von Kaltblütern im Wald schwarze Zahlen zu erwirtschaften. Die Auftragslage ist mäßig und billigere maschinelle Arbeit wird bevorzugt." Für ihn stimmt solche Kalkulation nur vordergründig.
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