HOLSTEINISCHER COURIER

 

Eine Reise zu den Kreaturen der Nacht

09. November 2009 | Von Gabriele Vaquette

Düstere Gestalt mit irrem Kichern: Totengräber Kreuzer.

Neumünster. Bleich, wie einer Gruft entsprungen, stimmt Totengräber Kreuzer (Jens Handler) das Publikum ein: Schaurig wird es werden, ein Abend mit Kreaturen der Nacht, die zu Trommelschlägen und Fackelschein herein kriechen. Die wahren Monster sitzen hinter gutbürgerlichen Fassaden. Ein Abend, der in die Abgründe der menschlichen Seele führt, an einem Ort, der überall sein könnte: Der Saloon von Lady Lieblich (Philine Pommerencke) in der Stadt Treu ist Kulisse für das neue Stück "Schmetterling" des Statt-Theaters, das vor 160 Zuschauern am Sonnabend Abend umjubelte Premiere feierte.

Der Schein täuscht: "Der fliegende Walfisch" ist kein normales Varieté. Madame Carreau (Katharina Flügge/Finja Harder), Pique (Lina Fricke), Coeur (Inga-Marie Jansen) und Trèfle (Meret Vogt), "kalt wie Eis, mit einem Charme wie ein Rasiermesser", unter der diabolischen Direktorin Ana (Marie Kinscheck) entpuppen sich als Racheengel. Mit grausamer Koketterie graben sie die Leichen aus, die die Treuaner im Keller haben. "Es wird Regen geben an den Mauern der Menschenherzen", prophezeien sie. Der Saloon verwandelt sich in ein Gericht.

Glanzpunkte setzen die fantasievollen Songs aus der Feder von Lukas Johannsen. Beim Anti-Schnapslied ("Schnaps beruhigt die Seele, läuft er erst durch Deine Kehle") erfährt Saloon-Hilfskraft Pisin, dass Lady Lieblich in den Unfalltod seiner Eltern verwickelt ist. Zu dumpfen Didgeridoo-Klängen starten die "Vorleserinnen" in die Vergangenheit des Mädchens "Schmetterling" (Wenke Freese) voller erlittener Grausamkeiten. Bei "Schnickel-Schnackel-Schnuck" toben die Kreaturen die Liebe von Schmetterling, mit "Heile, heile für eine Weile" begleiten sie sie ins Hospital, wo sie dem durchgeknallten Professor in die Finger gerät, köstlich irre gespielt von Dominik Dicken. Ein Höhepunkt: Die grausige Hexenaustreibung im "Nimmerhaus", einem Heim für seelisch Kranke, das vom Pater (Maiko Hanisch) betrieben wird. Mit einem "Malleus Maleficarum" in Hardrock-Manier strecken die Mönche die Kreuze aus. Schmetterling bricht zusammen. Doch die Täter kommen nicht ungeschoren davon, denn was der Mensch sät, das erntet er. . .

Riesenbeifall umtost die Akteure, die ein Jahr unter Regie von Jörger Fischer probten, der das Stück, eine Mischung aus Western und Psychothriller, schrieb.

Das Publikum ist begeistert. "Grandios, einfach großartig. Von meiner Tochter Lina weiß ich, wie viel Zeit dahinter steckt, alles wird in Eigenregie gemacht", lobte Gudrun Fricke (58).

<hinweis>Weitere Termine: Sonnabend, 14./21. November,19 Uhr, Sonntag, 15./22. November, 17 Uhr. Karten (11/8 Euro) in der Buchhandlung Clément, Kuhberg 9, Tel. 04321/400 596 oder per E-Mail (vvk@stattTheater.de).</hinweis> ttheater

gabi


 

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