HOLSTEINISCHER COURIER
Duo Calva: Komödiantischer Parforceritt auf zwei Celli durch die Opernwelt
Neumünster. Mozarts "Zauberflöte" soll von einem russischen Ensemble aufgeführt werden. Die Aushilfs-Cellisten Alain und Daniel - alisa Duo Calva - treffen als erste im Theater ein, machen schon mal eine Sitzprobe. So startete das Kabarett-Konzert des Duos am Freitagabend vor 320 Besuchern im Theater in der Stadthalle.
Die beiden in Temperament und Charakter recht unterschiedlichen Männer kennen sich von diversen Mucken, spielen zusammen bei Beerdigungen ("Schade, dass da niemand klatscht"), doch die Oper ist ihre wahre Leidenschaft. Jedes Stichwort, das sie sich leicht und flockig zuwerfen, wird auf den Instrumenten unmittelbar verarbeitet. Gut erkennbar sind die Melodien, in denen auch die Cross-Over-Passagen geschickt eingearbeitet und arrangiert wurden. Gespielt wurde alles virtuos, reine Klassik ebenso wie populäre Medleys quer durch die Musikgeschichte oder herzzerreißende Schnulzen. Alain und Danny verkürzen dem Publikum launig die Wartezeit, dann steht es fest: Der Tourneebus ist auf der Strecke liegen geblieben - die zwei gestalten nun den Rest des Abends hinreißend, laufen zur Hochform auf. Beim Wunschkonzert erklingt die Arie des Barbiers. Oder was ganz Virtuoses: Paganinis "Thema mit Variationen auf einer Seite für Violine" - großartig von Alain Schudel und Danny Schaerer, die seit zwölf Jahren als Duo Calva auftreten, interpretiert. Die Ankündigung "Heute Abend: Zauberflöte! Große Oper für zwei Celli" (Regie: Dominique Müller) wird nach der Pause zur Weltpremiere. Der musikalische Scherz erweist sich als gelungene Verbindung von Konzert und Kabarett auf hohem Niveau. Die Figur des Papageno hat es den beiden besonders angetan; mit Hilfe eines freundlichen Herrn aus dem Publikum erklangen auch die Flötentöne des Vogelfängers, und die Arie der Königin der Nacht mutierte vom Hühnerhofgegacker zum Gefangenchor aus "Nabucco". Damit das Publikum den Überblick nicht verlor, gab’s noch eine hanebüchene Inhaltsangabe, auch ein Schnelldurchlauf von der Ouvertüre bis zum jubelnden Schluss in 63 Sekunden fehlte nicht. Das Publikum war begeistert von der Mischung aus Virtuosität, komödiantischem Talent und Bühnenpräsenz. Dann die Zugaben: Nach einem Parforceritt durch die "Schweizer" Nationaloper "Wilhelm Tell" überschwemmte die ganze Süße des "Ave Marias" die Zuschauer. Zuletzt verblüfften sie mit einem Stück zu vier Händen auf einem Cello.
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