HOLSTEINISCHER COURIER
Donnerstag geschlossen
Warnstreik der Apotheker
Kreisapotheker Rüdiger Metzner und seine Kollegen lassen die Kunden am kommenden Donnerstag nicht im Regen stehen. Bedient wird aber nur durch die Notfall-Klappe. Foto: Ziehm
Neumünster. Für den kommenden Donnerstag, 28. Februar, hat die Apothekerkammer ihre Mitglieder aufgerufen, am Mittag eine Stunde lang zu schließen. An dieser Protestaktion wollen in Neumünster alle 26 Apotheken teilnehmen. Arzneimittel gibt es von 12 bis 13 Uhr nur an der sogenannten Notfall-Klappe. Die Apotheker protestieren gegen die ihrer Meinung nach völlig unzureichende Vergütung von Nacht- und Notdiensten.
Rüdiger Metzner ist Kreisapotheker für Neumünster und belegt das mit Zahlen. Am Mittwoch hatte er am Kuhberg in seiner Flora-Apotheke Notdienst. In den 14 Stunden von 18 Uhr bis Donnerstagmorgen um 8 Uhr bediente er 17 Kunden. Das waren in dieser Nacht gerade einmal 270 Euro Umsatz und 50 Euro Ertrag, rechnet er vor. "Versuchen Sie dafür mal einen Notdienst für die Heizung zu finden", sagt Metzner.
Apotheken sind zur Dienstbereitschaft verpflichtet
Die Apotheken müssen das, denn sie sind im öffentlichen Interesse zur ständigen Dienstbereitschaft verpflichtet. Umschichtig hat immer eine Apotheke nachts, an Wochenenden und Feiertagen Notdienst. Bei 26 Apotheken in der Stadt ist jede also einmal im Monat dran. Die Apotheker können dafür 2,50 Euro pro Patient extra berechnen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Gebühr für die Versicherten, wenn der Arzt in seinem Notdienst im Rezept das Feld "noctu" (lateinisch für nachts) angekreuzt hat.
Doch damit sind die Notdienste unterfinanziert, kritisieren die Apotheker. Sie pochen auf die von der Bundesregierung 2012 für dieses Jahr zugesagte, aber noch nicht umgesetzte, pauschale Vergütung pro Dienst. "Jeden Tag schließt in Deutschland eine Apotheke, weil sie sich wirtschaftlich nicht mehr trägt. Das hat auch weitreichende Folgen für den Notdienst", sagt Metzner. Die Apotheken in Neumünster versorgten nachts auch das gesamte Umland mit. Metzner nennt den Protest einen Warnschuss: "Wir lassen die Patienten nicht im Regen stehen, machen aber nur Klappen-Dienst, also quasi den Tag zur Nacht."
Welche Apotheke in welchem Maße an der Protestaktion teilnimmt, entscheidet jede für sich, sagt Frank Jaschkowski, Geschäftsführer der Apothekerkammer Schleswig-Holstein. Kunden sollten sich vorher erkundigen. Während Mittagspausen bei Apotheken im ländlichen Bereich nicht ungewöhnlich seien, geht er davon aus, dass es in den Städten ein deutlich spürbares Signal geben wird.
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