HOLSTEINISCHER COURIER
Sextäter in Neumünster
Observation trotz Fußfessel
Neumünster / Kiel. Die elektronische Fußfessel reicht offenbar nicht mehr aus: Mittlerweile wird der pädophile Sexualstraftäter (72), der seit Frühjahr 2011 in Neumünster lebt und sich zurzeit vor dem Kieler Landgericht verantworten muss, zusätzlich von der Polizei beobachtet. "Ja, wir observieren ihn seit einigen Tagen wieder ganz offen und begleiten ihn, sobald er die Wohnung verlässt. Hintergrund dafür ist ein Gerichtsbeschluss. Der gilt bis auf Weiteres", erklärte Polizeisprecher Sönke Hinrichs. Weitere Details nannte er nicht.
Der Rentner war 1999 in Rheinland-Pfalz wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 99 Fällen verurteilt worden. Eine anschließende Sicherungsverwahrung hatte das Gericht jedoch nicht ausgesprochen. Seine neunjährige Haftstrafe musste der ehemalige Abteilungsleiter einer Bank nach Rückfällen voll absitzen. Der Versuch, die Sicherungsverwahrung 2011 nachträglich anzuordnen, scheiterte an der europäischen Gesetzeslage. Offenbar zog er nach Neumünster, weil er hier einen Teil seiner Jugend verbrachte. Seit Ende Oktober muss der Mann eine elektronische Fußfessel tragen; damit ging vorerst die Polizeipräsenz in seinem Wohnviertel zurück - nicht zur Freude der Nachbarn.
Urteil in Kürze erwartet
Weil der Rentner in Neumünster mehrfach gegen Weisungsauflagen verstoßen haben soll, wurde er bereits im August vom Amtsgericht zu vier Monaten Haft verurteilt. Trotz richterlichen Verbots soll sich der Mann wieder Kindern und Jugendlichen genähert haben. Jetzt läuft sein Berufungsverfahren vor dem Landgericht Kiel. Am Montag sagten zwei Mädchen, die er an der ehemaligen Sick-Kaserne angesprochen haben soll, unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Damit fehlt nur noch ein Zeuge, so dass das Urteil in den kommenden Tagen erwartet wird.
Ob die Justiz dann vorerst einen Schlussstrich ziehen kann, ist noch offen: Der unbelehrbare Rentner hat sich offenbar erneut Kindern genähert. "Es gibt neue Ermittlungsverfahren aus dem zweiten Halbjahr 2012. Die Staatsanwaltschaft wird den Ausgang des Prozesses abwarten und dann schauen, wie sie weiter verfährt", erklärte auf Anfrage des Holsteinischen Couriers Oberstaatsanwalt Axel Bieler.
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