HOLSTEINISCHER COURIER
Wirtschaftswachstum
Neumünster soll zur Marke werden
Iris Meyer vom Unternehmensservice der Wirtschaftsagentur, Dr. Olaf Tauras als Aufsichtsratsvorsitzender (Mitte) und WA-Chef Guido Schwartze zogen gestern Bilanz und erläuterten die Ziele in diesem Jahr. Foto: Ziehm
Neumünster. 2002 wurde die Wirtschaftsagentur (WA) gegründet, vor fast genau zehn Jahren das Logistik- und Gründerzentrum Log-In an der Memellandstraße eröffnet. Gestern zogen WA-Geschäftsführer Guido Schwartze und Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras als Aufsichtsratsvorsitzender Bilanz.
"Die Struktur der Wirtschaftsagentur hat sich verändert", sagte Schwartze. Auch das Gemeinschaftsunternehmen von Stadt und hiesiger Wirtschaft muss einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten. Dazu gehört, dass nur noch Basisleistungen wie das Standort- und Citymarketing allein durch die Stadt finanziert werden. Die Agentur erzielt durch ihre Kompetenzcenter oder die Vermittlung von Maklerdienstleistungen oder die Bauberatung inzwischen Einnahmen für Bereiche, die sich selbst tragen.
Die Wirtschaft beteiligt sich dadurch an der Wirtschaftsförderung. Das war auch nötig, da die bisherige Quersubventionierung über die ITN-Einnahmen weggefallen ist: Die Stadt hat im vergangenen Jahr ihr Innovations- und Technologiezentrum am Ilsahl verkauft. Das dort früher ansässige Chinese Business Center ist dadurch kein festes Haus mehr, sondern eine institutionelle Einrichtung für Firmen aus Fernost. Zurzeit betreut WA-Mitarbeiterin Xiao Hu 18 Unternehmen.
Beim Log-In sieht sich die Wirtschaftsagentur gut aufgestellt. Zurzeit ist es mit 19 Mietern zu 76 Prozent und damit kostendeckend ausgelastet. Im März kommt ein neuer Mieter, den Schwartze aber noch nicht nennen möchte. Nur so viel sagte er: "Es ist ein ausländischer Existenzgründer, den wir über eine bundesweite Ausschreibung gewinnen konnten." Eine Vollauslastung sei für ein Gründerzentrum gar nicht erwünscht, da sich dann die Firmen nicht entwickeln könnten. Für die Stadt ist das eine Gratwanderung zwischen unterschiedlichen Interessen, sagte Tauras. Mehr Auslastung bedeutet auch mehr Mieteinnahmen, doch wichtiger ist für ihn die Ansiedlung innovativer neuer Unternehmen.
Beim Vertrieb städtischer Gewerbeflächen traut sich die Wirtschaftsagentur 2013 Erlöse für die Stadt in Höhe von zwei Millionen Euro zu. Mit Sondereffekten wie zuletzt etwa der Ansiedlung des Milchpulverwerks könnten es sogar zwölf Millionen Euro werden. Neumünster, die Städteachse Nordgate und die Metropolregion entwickeln sich immer mehr zu einer Marke, sagte Schwartze. Das erzeugt Aufmerksamkeit von Investoren für Neumünster.
Die Ziele für dieses Jahr sind ambitioniert. Schwartze nannte internationale Ansiedlungen, ein weiteres Hotel, um die Stadt noch mehr als Kongressstandort zu etablieren, und eine Belebung des südlichen Großfleckens "durch eine Investition als Ergänzung zum Innenstadteinkaufszentrum. Wir wollen die klassische Knochenlage in der Innenstadt erzeugen mit zwei Magneten im Norden und im Süden des Großfleckens". Beim Stadtmarketing setzt Schwartze auf weitere Messen und die Fortsetzung der Kooperation mit dem Verein Neumünster Marketing.
Im Geschäftsfeld Existenzgründerberatung läuft die Förderung des "Startbahn"-Projekts für Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus zum Jahresende aus. Die Wirtschaftsagentur erstellt gerade eine Konzeption, um die weitere Finanzierung sicherzustellen.
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