HOLSTEINISCHER COURIER
Theater in der Stadthalle
Falladas Bonzen, königliche Reden
Neumünster. Eine breite Palette unterschiedlichster Veranstaltungen hält das Kulturbüro im März bereit. Aus Neumünsteraner Sicht ist auch der Höhepunkt der Theatersaison dabei.
In "Ein Walzertraum" (1907) treten auf: der schmucke Leutnant Nicki, der trottelige Fürst von Flausenthurn, Franzi, die fesche Dirigentin einer Damen kapelle, und die liebliche, aber recht fade Prinzessin Helene. Sie alle erleben Liebesleid und Liebesfreud, und drücken ihre Gefühle musikalisch in herrlich beschwingten Walzern, sentimentalen Liedern und harmonischen Ensembles aus. Ein großer Wurf gelang Oscar Straus (1870 bis 1954) mit dem "Walzertraum", der am Freitag, 1. März, um 20 Uhr in einer Inszenierung des TFN (Theater für Niedersachsen) die Zuhörer erfreuen wird.
Gastspiel
aus München
Am Sonntag, 3. März, um 20 Uhr (Werkinfo: 19.15 Uhr) geht es um das persönliche Drama des Prinzen Albert, Herzog von Yorck. 1925 wird seine Abschlussrede bei der großen Empire-Ausstellung per Radio übertragen - und die ganze Welt hört es: Albert stottert. 1939, Albert ist seit zwei Jahren King George VI., teilt er den Bürgern des Commonwealth mit, dass Großbritannien Deutschland den Krieg erklärt hat - und das in perfekter Aussprache. Zwischen beiden Reden liegen Jahre harter Sprecherziehung durch den australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue. David Seidler schrieb die akribisch recherchierte Geschichte "The King’s Speech - Die Rede des Königs", die von der Angst vorm Sprechen und von der Macht der Sprache handelt. Die "Theatergastspiele Kempf" aus München gastieren mit Götz Otto und Steffen Wink.
"Candide oder Der Optimismus" lautet der ironische Titel eines prallen, temporeichen Theaterstücks von Francois Marie Arouet, besser bekannt als Voltaire. Die Handlung widerlegt die These, dass wir in "der besten aller Welten" (Leibniz) leben. Voltaire schickt seine Titelfigur Candide und dessen geliebte Kunigunde rund um die 1758 bekannte Erde, trennt sie, vereint sie wieder und setzt sie vielerlei Plagen, Schurkereien und Qualen auf ihrer Wanderung durch die Welt der Dummheit, Grausamkeit und Komik aus. Die "Theater Greve GmbH" nimmt sich des "alten" Stückes an, weil sich in 250 Jahren gar nicht viel geändert hat. Folgen Sie dem eher pessimistischen, geistreichen Stück am Mittwoch, 6. März, um 20 Uhr (Werkinfo: 19.15 Uhr).
Nach Dithmarschen und auch direkt nach Neumünster führt am Donnerstag, 14. März, um 20 Uhr (Werkinfo: 19.15 Uhr) "Von Bauern, Bonzen und Bomben" in einer Inszenierung des Landestheaters nach dem Roman von Hans Fallada. Das Stück wird zum ersten Mal in Neumünster gezeigt. Fallada lebte einige Jahre in Neumünster, lernte das Gefängnis von innen kennen, verdingte sich als Anzeigenwerber beim "General-Anzeiger" und war Berichterstatter während des Prozesses, der dem Landvolkaufstand folgte. Im Sommer 1929 war der Höhepunkt der Landvolkbewegung; es kam zu Demonstrationen und Zusammenstößen mit der Polizei, es gab Verletzte, die Bauern boykottierten Neumünster und legten das kommerzielle Leben lahm. In "Bauern, Bonzen und Bomben" (1930) verlegte Fallada das Geschehen in die fiktive Stadt Altholm und porträtierte sich selbst in der Figur des Max Tredup. Etliche der damaligen Honoratioren waren durchaus erkennbar.
Am Montag, 18. März, um 19 Uhr (Werkinfo: 18.15 Uhr) erwartet Sie ein großes Sinfoniekonzert mit dem Oldenburgischen Staatsorchester (Dirigent: Thoma Dorsch). Im 5. Abonnementskonzert beschäftigt sich das Orchester mit zwei Werken von Felix Woyrsch (1860 bis 1944), dessen Nachlass von der Musikbibliothek Neumünster wissenschaftlich aufbereitet wird. Aus den "Drei Böcklin-Phantasien op. 53" erklingen die Sätze "Toteninsel" und "Der Eremit" - beides symphonische Stimmungsbilder - und Woyrsch’ "Sinfonie Nr. 3 op. 70". Außerdem steht Peter Tschaikowskis "Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1" auf dem Programm. Den Solopart spielt Caterina Grewe.
Andreas Thiel kommt am Dienstag, 19. März, um 20 Uhr mit seinem Kabarettprogramm "Politsatire 4 - Macht" in das Theater. Der erfolgreiche Schweizer, dessen Abende "Böser Montag" oder "Tintensaufen" heißen, ist ein "verbaler Florettfechter mit scharfer Klinge". Sein Humor ist tiefschwarz und wird auch bei "Politsatire 4" sicher ins Schwarze treffen.
Werk-Info: Zu den Stücken "The King’s Speech" (Abo grau I), "Candide" (Abo gelb), "Von Bauern, Bonzen und Bomben" (Abo rosa) gibt es jeweils um 19.15 Uhr Werkeinführungen; für das Abonnementskonzert (Abo orange) bereits um 18.15 Uhr. Karten & Preise: Operette: 15 bis 25 Euro; Schauspiele: 13 bis 22 Euro; Konzert: 16 bis 20 Euro; Kabarett: 14 und 18 Euro. Karten zu allen Veranstaltungen gibt es im Kulturbüro am Klein flecken 26, Tel. 942 - 33 16), sowie an der Abendkasse, Tel. 42 199).
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