HOLSTEINISCHER COURIER

 

Windhose: Ein Dach flog durch die Luft

11. Juni 2009 | 04:50 Uhr | Von Dörte Moritzen;Joachim Krüger

Inge Klietz aus der Planckstraße beobachtete die Windhose mit ihrem Fernglas, als sie hinter ihrem Grundstück vorbeizog. Foto: Moritzen

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Weit sichtbar raste am Dienstagabend eine Windhose durch die Gartenstadt und hinterließ eine Schneise der Verwüstung.

Neumünster. Der Schreck sitzt bei vielen Augenzeugen auch am Tag danach noch tief: Wer eine Windhose auf sich zurasen sieht, der vergisst dieses Erlebnis nicht so schnell. Inge Klietz (73) lebt in der Gartenstadt. Das Grundstück ihres Hauses an der Planckstraße grenzt ans offene Feld. Nichts versperrt ihr den Blick in Richtung Tierpark und Klinik Hahnknüll. "Ich sitze hier so gern und schaue mir den Sonnenuntergang oder das Wolkenspiel an", sagt die rüstige alte Dame und zeigt auf ihr Sofa mit Panoramablick.

So war es auch am Dienstag gegen 19 Uhr. "Hier schien noch die Sonne. Aber da drüben über dem Tierpark war so eine merkwürdig Wolke, die wühlte so", berichtet Inge Klietz. Plötzlich bildete sich aus der Wolke ein Schlauch, dann wurde sie zu einem Trichter. "Es war so, als würden Wolken in den Trichter gezogen", berichtet die Augenzeugin. "Dann kam dieses Gebilde plötzlich auf mich zu. Ich habe die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen und gedacht: 'Oh Gott, was machst Du jetzt bloß? Rennst Du in den Keller?'"

Wie gebannt starrte Inge Klietz auf die Windhose, die plötzlich abdrehte und Richtung Hahnknüll zog. "Kurz vor dem Krankenhaus wirbelten Teile durch die Luft. Das war wie eine Explosion", berichtet die alte Dame. Die Windhose hatte das Dach des Pferdestalls erwischt.

Dr. Arnim Weidler wurde in seiner Zahnarztpraxis an der Detlev-Sievers-Straße durch lautes Getöse aufgeschreckt. Er lief ins Freie und sah, wie Gebäudeteile in einer riesigen Säule durch die Luft wirbelten. "Nachbarn sagten mir, dass die Teile zu dem Pferdeschuppen gehörten, der hier am Rande der Bebauung stand", berichtet Weidler.

Zur gleichen Zeit saß Geschäftsmann Philip Brügge in seinem Büro an der Freesenburg mit Blick über den Flugplatz Richtung Stadtwald. Ein lang anhaltendes Donnergrollen ließ ihn vom Computer aufblicken. "Da sah ich die Windhose - und wollte sie unbedingt im Foto festhalten", berichtet er. Er zückte sein Handy, aber gleichzeitig kamen ihm Bedenken: "'Was machst Du, wenn sie jetzt auf Dich zukommt?', habe ich mich gefragt", erzählt er später.

Margret Burk hat zwar die Windhose nicht mit eigenen Augen gesehen, wohl aber einen Pkw-Anhänger, der mit atemberaubender Geschwindigkeit durch den Hahnknüll raste. "Ich dachte noch, die sind wohl bescheuert - hier ist doch Zone 30." Erst da merkte sie, dass kein Auto den Anhänger zog, sondern dass es der Wind war, der ihn etliche Meter weit über den Asphalt und schließlich in einen Knick fegte.

"Es sah genauso aus, wie man das sonst nur in Fernseh-Berichten aus Amerika oder in Filmen sieht", beschreibt Peter Scheibe. Eine Zeit lang fürchtete er, der Tornado würde sich den Weg bis zu seinem Haus am Ulmenweg bahnen: "Doch dann drehte er ab", sagt er.

Mittlerweile war die Berufsfeuerwehr alarmiert worden: "Es hieß erst, im Stoverseegen sei nach einem Blitzeinschlag ein Feuer ausgebrochen", erzählt der Chef Sven Kasulke. Vor Ort fanden die Einsatzkräfte den zerstörten Pferdestall vor. "Das Dach hing im Baum", so Kasulke. Damit nicht genug: "Der Hahnknüll war quasi unpassierbar, überall lagen Bäume. Straßenlaternen waren umgeknickt. Dicke Äste drohten, auf die Straße zu fallen. Gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Tungendorf-Stadt arbeiteten 30 Einsatzkräfte drei Stunden im Akkord in den Straßen rund um den Hahnknüll, um alles zu sichern. Verletzt wurde niemand.


 

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