HOLSTEINISCHER COURIER
Unterricht mit Soldaten?
Neumünster. Um es vorwegzunehmen: Der große Krach, die lautstarke Auseinandersetzung blieb aus. Die Podiumsdiskussion zum Thema "Bundeswehr an Schulen! Keine Werbung für den Krieg!" am Dienstagabend in der IGS Brachenfeld verlief durchaus kontrovers, verließ aber nie den Boden der Argumente. Als Erfolg konnte denn auch nach gut zwei Stunden vermeldet werden, dass sich die Schule als Ort der lebendigen Debatte erneut bewährt hatte.
Eingeladen hatte der Verein für Toleranz & Zivilcourage. Dieter Hanisch moderierte die Veranstaltung, bei der sich sechs Diskussionsteilnehmer auch den Fragen der knapp 100 Zuhörer stellten. So berichtete Hauptmann Stephan Unger, einer von knapp 100 Jugendoffizieren der Bundeswehr, von seiner Arbeit: mit den Schülern über aktuelleAuslandseinsätze wie in Afghanistan und darüberhinaus über Moral und Ethik diskutieren.
Michael Schulze von Glaßer von der Informationsstelle Militarisierung sieht in diesem Einsatz Werbung für die Bundeswehr - was doch quer zur gewaltfreien Erziehung stehe. Torben Wolgast widersprach heftig. Der Lehrer für Wirtschaft und Politik würde mit seiner Klasse keinen Truppenbesuch machen, aber die Diskussion mit dem Offizier hält er im Unterricht der Oberstufe für richtig - die Schule müsse sich "der kritischen Reflexion" stellen. Das sah Mirco Krohn von der Schülervertretung ähnlich - "von der Bundeswehr umworben" fühlte er sich nicht. Auch Rektor Peter Spilok ergriff das Wort: "Einseitige Veranstaltungen darf es nicht geben - und wird es auch nicht geben."
Gottfried Müller wies als Vertreter der Friedenswerkstatt darauf hin, dass seit der Wende vor 20 Jahren Mitglieder seiner Organisation immer seltener an der Schulen eingeladen werden. Man müsse doch betonen, was die Bundeswehr oft versäume: dass nämlich ein Soldat schon mal "in horizontaler Lage" heimkehre. Müller wörtlich: "Es geht nicht nur ums dicke Geldverdienen."
Christof Ostheimer vom Verein, der die Diskussion organisiert hatte, lag die politische Einschätzung am Herzen. Unter Berufung auf Worte von Ex-Verteidigungsminister Peter Struck betonte er, dass die Bundeswehr heute mehr denn je zur Durchsetzung strategischer und wirtschaftlicher Interessen eingesetzt werde.
Nach ungezählten Wortbeiträgen aus dem Publikum - darunter auch Fragen von IGS-Schülern - gab es viel Lob für den diskussionsfreudigen Unterricht an der IGS. "Ich wäre froh", betonte Ostheimer, "wenn es an allen Schulen genauso wäre". Auch Unger zeigte sich angenehm überrascht: "Ich habe solche Diskussionen schon ganz anders erlebt." Fruchtbare Anregungen hatte auch Wolgast für den künftigen Unterricht erfahren. Der IGS-Pädagoge zeigte sich am Ende des Abends "stolz auf meine Schüler, die sich in der Debatte sogar zu Wort gemeldet haben".
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