HOLSTEINISCHER COURIER

 

Traurige Bilder vom Balkan

30. März 2010 | 06:45 Uhr | Von Christian Lipovsek

Neumünster. Auf dem einen Foto laufen Menschen über eine Müllkippe und suchen nach Essensresten, auf dem nächsten sieht man Kinder in zerrissenen Klamotten in einer Baracke sitzen. Es folgen die Ansichten völlig zerbombter Häuser und Kreuze auf einem Massengrab. Erschreckende und trostlose Bilder zeigte Daniel Duncker von "Schüler helfen leben" (SHL) gestern auf der Schultour der Organisation den Klassensprechern und Schülervertretern der Holstenschule - aktuelle Fotos vom Balkan aus den ehemaligen Staaten Jugoslawiens.

"Auch 15 Jahre nach dem Krieg herrschen dort noch Völkerhass, Armut und hohe Arbeitslosigkeit", erklärte Daniel den sichtlich schockierten Schülern. Aufklären über das Leben auf dem Balkan und gleichzeitig für den Sozialen Tag am 17. Juni werben, an dem in ganz Deutschland Schüler für einen Tag die Schulbank mit einem Arbeitsplatz tauschen und Geld für Hilfsprojekte in Südosteuropa verdienen: Diese Ziele hat die Schultour der größten europäischen Schülerinitiative mit Sitz an der Kaiserstraße. Noch bis zum 23. April sind 40 SHL-Referenten zwischen Glücksburg und Konstanz unterwegs und besuchen insgesamt 120 Schulen.

Die Holstenschule ist dabei in diesem Jahr die einzige in Neumünster, die daran teilnimmt. Seit dem ersten Sozialen Tag 1998 engagieren sich Holstenschüler für die Aktion. Rund 350 Mädchen und Jungen der achten bis zwölften Klassenstufe haben sich auch dieses Jahr wieder angemeldet. Unter ihnen auch Janne Kudak (18) aus dem zwölften Jahrgang. "Das ist ein tolles Projekt, an dem ich schon seit fünf Jahren teilnehme. Ich werde dieses Jahr wieder bei meiner Oma im Garten arbeiten", sagte Janne nach dem Vortrag. Michel Schumacher (16) ist ebenfalls erneut dabei. "Nachdem ich im vergangenen Jahr bei meinen Eltern Holz gehackt habe, werde ich in diesem Jahr mit ein paar Klassenkameraden einen Erste-Hilfe-Kursus für jüngere Schüler anbieten. Dafür sammeln wir dann Geld", erklärte der Zehntklässler.

Daniel Duncker rechnet damit, dass sich bundesweit wieder einige tausend Schüler einen Job für einen Tag suchen werden, 554 Schulen sind bereits angemeldet. In welche langfristig angelegten Projekte das eingenommene Geld fließen wird, entscheiden Delegierte der teilnehmenden Schulen vom 7. bis 9. Mai beim Projektauswahltreffen in Berlin.


 

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