HOLSTEINISCHER COURIER
Stubentiger hatte Glück
Der Kater überlebte die Odyssee auf der Mülldeponie und wird von Helmut Rentsch gepflegt. Foto: Ziehm
Neumünster. Als Vorarbeiter Timo Langbehn das Tier auf dem Gelände der Mechanisch-Biologischen Abfallfallbehandlungsanlage (MBA) in Wittorferfeld fand, war der Kater war nur noch ein Häufchen Elend, mehr tot als lebendig. Da die Tierauffangstelle nicht mehr erreichbar war, informierte Langbehn Helmut Rentsch vom Tierschutznotruf.
Das war am Donnerstag vor einer Woche. Seither päppelt der Tierschützer den Stubentiger wieder auf. "Die Katze war völlig entkräftet, voller Flöhe und Zecken, verwurmt und dehydriert", sagt Rentsch. Der 43-jährige Einfelder brachte das Tier erstmal zum Tierarzt zur Notversorgung und nahm es dann zu sich nach Hause. Die Tierarztrechnung will die MBA übernehmen.
Der kastrierte Kater ist etwa drei Jahre alt, sehr zutraulich, ein bisschen passiv. "Aber das kann am Schock liegen", sagt Rentsch. Auf jeden Fall sei er an Menschen gewöhnt - und ein "Kühlschrank-Räuber". Rentsch: "Wenn ich den Kühlschrank öffne, ist er drin." Das sei aber vielleicht eine Folge des Überlebenskampfes auf der Deponie.
Langbehn und Rentsch rätseln, wie der Hauskater auf die MBA gelangt sein könnte. "Wir gehen davon aus, dass er auf dem nahen Parkplatz ausgesetzt wurde oder tatsächlich mit dem Müll gekommen ist", sagt Langbehn. Der könne aus fast ganz Schleswig-Holstein stammen.
Auf seiner Homepage hat Rentsch unter www.tigerfreund.de/8/katzi.htm Fotos und Informationen zum Fundtier vom Müll zusammengestellt. Vielleicht vermisst ja doch ein Frauchen oder Herrchen den Kater und wäre glücklich, den Mülltouristen noch vor dem Weihnachtsfest einigermaßen wohlbehalten zurück zu bekommen. Das Tier ist entwurmt und von den Flöhen befreit, eine Wunde am Maul schon fast verheilt.
Die Möglichkeit, dass der Kater ausgesetzt wurde, schließt Rentsch jedoch nicht aus. Zu Tieren als Weihnachtsgeschenk unter dem Tannenbaum hat er eine klare Haltung: "Entweder man hält Tiere aus Passion der Tiere wegen, oder man lässt die Finger davon." Als Kinderspielzeug seien sie nicht geeignet.
Informationen bei Helmut Rentsch unter
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