HOLSTEINISCHER COURIER
Schnupper-Chance für Berufstarter
Werbung für den Friseurberuf: Marc Winter ließ sich auf der Berufsmesse in der Pestalozzischule von Friseurmeisterin Katrin Wolfgramm die Haare mit Spray in Form bringen. Seinen Berufswunsch - Bäcker - konnte das allerdings nicht umstoßen. Foto: Bluhm
Neumünster. Wie bringt man Schüler und Ausbildungsbetriebe miteinander ins Gespräch? An der Pestalozzischule in Tungendort hat man auf diese spannende Frage eine ganz pragmatische Antwort gefunden: Bereits zum zweiten Mal lud die Schule jetzt zur hausinternen Berufsmesse ein. Zehn Unternehmen aus Neumünster klappten in der Turnhalle der Grund- und Regionalschule Am Kamp ihre Tische auf, um für ihre Ausbildungswege zu werben.
Rund 100 Schüler aus den 7., 8 . und 9. Klassen nutzten das Angebot, um Meister, Ausbildungsleiter oder auch die derzeitigen Auszubildenden mit Fragen über Inhalte und Chancen der einzelnen Berufswege zu löchern. Für die Schüler der 8. und 9. Klassen war der Besuch der Messe verpflichtend, für die 7. Klassen freiwillig. Dennoch waren auch die Jüngeren gut vertreten, manche Jungen und Mädchen hatten sogar ihre Eltern mitgebracht.
Damit die Schüler die Infostände nicht nur auf ihrem Laufzettel abhaken, hatten die Klassen die Messe zuvor zum Unterrichtsthema gemacht: Die Schüler sollten in den Gesprächen nicht vorgefertigte Fragen abspulen, sondern selbst erarbeiten, was sie an diesem oder jenen Beruf wirklich interessiert.
Trotz einer wachsenden Zahl konkurrierender Angebote zur Berufsinformation (siehe Extra-Text) will man in der Schule an der Idee der "Hausmesse" festhalten: "Nirgendwo ist die Hemmschwelle, auf die Betriebe zuzugehen, für die Schüler so gering wie auf heimischen Terrain", nennt Anja Hensgen, Schulbeauftragte für Berufsorientierung, den entscheidenden Vorteil. Das sehen offenbar auch die Betriebe so: Einige hatten bewusst ihre jungen Azubis mit auf die Messe geschickt, um auf Augenhöhe mit den Schülern kommunizieren zu können.
Erna Husser, Ausbildungsleiterin bei den Stadtwerken, geht es vor allem darum, einen ersten Draht zu den Schülern herzustellen: "Wir können nicht erwarten, dass schon 13- oder 14-Jährige sich für einen bestimmten Beruf entscheiden." Für die Ausbilder gelte es allerdings, die Schüler noch früher "an der Schule abzuholen: Wenn die Jugendlichen zu uns kommen, möchten sie ein Praktikum oder eine Lehrstelle, da geht es schon um etwas. Hier können sie noch unbefangen fragen, sich unverbindlich informieren", erklärte Husser. Das funktioniert gut: "Es macht Spaß, und ich hab’ viel Neues erfahren", lobte die 15-Jährige Yvonne das Konzept. Eine Idee, welchen Beruf sie erlernen möchte, hat sie aber noch nicht.
Den Charakter einer "Schnupper-Party" hatte die Messe auch am Stand von "Heides Haarstudio". Zur Belustigung mehrerer seiner Klassenkameradinnen ließ sich Marc Winter (16) dort die Haare in Hochform sprayen lassen. Friseurmeisterin Katrin Wolfgramm machte die spaßige Demonstration gerne mit - auch wenn Marc lieber Bäcker werden möchte. Es gehe ja nicht zuletzt darum, junge Leute für den Beruf zu begeistern, sagte sie. Die Strategie ging offenbar auf: Noch während der Messe kam die Friseurmeisterin mit einem Neuntklässler ins Gespräch, der Gefallen an dem Job gefunden hat: Für den kommenden Juni wurde ein Praktikum in Heides Haarstudio am Kantplatz vereinbart.
Schüler, die es noch nicht soweit geschafft haben, lauschten in einem Nebenraum Lars Thullesen. Der engagierte Dachdeckermeister gab Tipps für die richtige Bewerbung. Seine Botschaft: Gute Schulnoten sind der best Türöffner bei der Bewerbung.
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