HOLSTEINISCHER COURIER

 

Philipp und Tobias - zwei junge Tüftler

27. Februar 2010 | 06:25 Uhr | Von C. Emde

Tobias Schramm zeigt, wie wendig seine Erfindung ist. Die elektrische Einkaufshilfe kann problemlos durch schmale Türen gesteuert werden. Die Bedienung hält er in der Hand. Foto: Emde

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Bordesholm / Boostedt. Philipp Naudiet (14) und Tobias Schramm (12) sind zwei ganz normale Jungen und Schüler der Klaus-Groth-Schule. Was sie von anderen unterscheidet, ist nicht nur die mittlerweile zweite erfolgreiche Teilnahme an "Schüler experimentieren", sondern auch ihre Hochbegabung in Mathematik beziehungsweise Technik und Informatik.

Tobias, der Jüngere von beiden, ist sehr technikbegeistert. Alles was mit elektrischen Schaltungen, Programmierungen und selbstkonstruierten Sachen zu tun hat, begeistert den gebürtigen Bordesholmer. Seine siegreiche Erfindung im Bereich Arbeitswelt bei "Schüler experimentieren" heißt Eumel - die Abkürzung steht für Einkaufsunterstützung mit Motor und Elektronik. "Auf meinem Schulweg komme ich oft an überfüllten Parkplätzen vor Supermärkten vorbei, und es stinkt immer furchtbar nach Abgasen. Dagegen wollte ich etwas tun", erklärt Tobias den Anstoß für seine Idee, eine umweltfreundliche Einkaufshilfe zu erfinden, die auch älteren Menschen nützt.

"Der witzige Name ist mir eigentlich gleich als erstes eingefallen", beschreibt Tobias den Beginn seines "Eumel"-Projekts Anfang der Sommerferien. Zwei defekte Golf-Caddies der Großeltern lieferten die Motoren, ein Lattenrost bildet das Untergestell auf Rädern, und die Tasche eines normalen Einkaufstrolleys gab das typische Aussehen einer Einkaufshilfe. "Als alles zusammengebaut war, habe ich Sender und Empfänger programmiert, für Licht durch drei LED-Leuchten gesorgt, und letztendlich sogar noch eine elektronische Einkaufsliste programmiert", erzählt Tobias stolz, denn die technischen Rafinessen begeistern ihn am meisten. So kann man mit dem fertigen Eumel problemlos einen 50 Kilogramm schweren Einkauf insgesamt 40 Kilometer transportieren, und ist dank Licht und Hupsignalen sogar verkehrstauglich.

"Durch seinen 12-Volt-Blei-Vliesakku ist Eumel auch energiesparend und umweltfreundlich, denn er verbraucht umgerechnet 8,2 Gramm Kohlendioxid für die Stromherstellung", erklärt Tobias. Im Vergleich dazu hat ein Auto einen CO2-Ausstoß von 100 bis 300 Gramm. "Oma Gundula wollte den Eumel längst ausprobieren, aber das Wetter passte bisher nicht", sagt Tobias’ Mutter.

Der zweite Hochbegabte ist Philipp Naudiet. Der 14-jährige Boostedter interessiert sich auch für Programmiersprachen, aber sein Herz hängt an der reinen Mathematik. Ähnlich wie Tobias in Physik, ist auch er seinen Klassenkammeraden im Mathematikunterricht um Längen voraus, und nimmt seit mehreren Jahren am Unterricht der höherer Klassenstufen teil. "Ich möchte auf jeden Fall reine Mathematik studieren", erklärt Philipp selbstbewusst. Für "Schüler experimentiert" hat er sich wochenlang mit den Teilbarkeitseigenschaften von Fibonacci-Zahlen beschäftigt - eine mathematische Zahlenreihe, die sich durch die Addition der zwei vorhergehenden Zahlen unendlich fortsetzen lässt. Dabei geht es Philipp Naudiet nicht in erster Linie um die Veröffentlichung seiner Arbeit, sondern ums Forschen selbst: "Ich freue mich, dort meine Arbeit Menschen vorstellen zu können, die es auch verstehen, was ich mache und die meiner Arbeit folgen können."

Ähnlich geht es auch Tobias: "Mein Vater versteht viel von Informatik, aber in meinem Alter kenne ich nur zwei Schüler aus dem Jugend-forscht-Kurs bei Herrn Thies", erklärt der Zwölfjährige. Was Tobias meint, sind Kurse des Enrichment-Programms zur Förderung von Hochbegabten, die er neben der Schule seit zwei Jahren bei Professor Otto Thies in Kiel besucht. Philipp hat neben dem Wettbewerb noch die Unterstützung und den Austausch mit seinem Lehrer André Streicher. Der war es auch, der Philipp auf die Idee brachte, bei "Schüler experimentieren" mitzumachen, sich neben der eigentlichen Forschung einen kleinen Stand zu bauen, und seine Ergebnisse fein säuberlich für die Jury nachvollziehbar zu Papier zu bringen.

Nach dem Erfolg sind beide Schüler bescheiden, empfinden ihre besonderen Fähigkeiten vielleicht sogar manchmal als Hindernis. Denn während andere nach der Schule lieber spielen, erfreuen sie sich an neuen Erfindungen. Der letzte Wettbewerb für "Schüler experimentieren" ist der auf Landesebene am 24. und 25. März in Kiel. Zum Bundesfinale dürften sie erst mit 15.


 

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