HOLSTEINISCHER COURIER

 

Neumünster

Neonazis planen Aufmarsch am 21. August

12. August 2010 | 04:50 Uhr | Von Christian Lipovsek

Nur mit mehreren Hundertschaften konnte die Polizei zuletzt Ende November 2007 rund um den Rudolf-Weißmann-Platz verhindern, dass 160 Rechtsextreme auf 400 Gegendemonstranten treffen. Foto: Archivfoto: Ruff

Neonazis wollen durch Neumünster marschieren. Offizieller Anlass sei der Todestag Friedrichs des Großen - doch die Antifa vermutet, dass an Rudolf Heß erinnert werden soll.

Neumünster. Die Stadt Neumünster wird wieder einmal Schauplatz einer Demonstration von Rechtsextremen. Am Sonnabend, 21. August, soll eine Kundgebung mit anschließendem Demonstrationszug durchs Zentrum und Faldera stattfinden. Bei der Stadt angemeldet sind 150 Teilnehmer. Offizieller Anlass ist der Todestag von Friedrich dem Großen (17. August 1786).

Organisationen wie die Antifaschistische Aktion Neumünster (Antifa) sehen dahinter jedoch nur einen Vorwand, um an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß zu erinnern. Dieser nahm sich 1987 - ebenfalls am 17. August - im Gefängnis in Berlin-Spandau das Leben.

Antifa ruft zum Treffen auf

Die Kundgebung ist für 11.15 Uhr auf dem Kleinflecken angekündigt. Anschließend sollen die Teilnehmer über Bahnhof-, Linien-, Wippendorf-, Goeben- und Roonstraße bis zum Log In geleitet werden. Die Rücktour soll über die Wasbeker Straße, den Hansaring und den Schleusberg wieder zum Kleinflecken führen. Das Ende ist für 15.30 Uhr vorgesehen. Die zuvor beabsichtigte Strecke über die Färberstraße, vorbei an der Aktion Jugendzentrum (AJZ), genehmigte die Stadt nicht.

"Derzeit gibt es noch keine Hinweise auf Ausschreitungen. Allerdings ist noch Zeit, da kann sich noch einiges ändern", erklärt Holger Schwark, Fachdienstleiter Ordnung. Er rechnet damit, dass auch noch Gegendemonstrationen angemeldet werden. Die Antifa ruft derzeit im Internet zu einem Treffen um 9 Uhr am Bahnhof auf. "Genehmigt ist das noch nicht", sagt Schwark.

Geknüpft ist der Aufmarsch der Neonazis an viele Auflagen, beispielsweise herrscht ein Alkoholverbot. Dinge, die an die Nazizeit erinnern - etwa Symbole oder das Marschieren im Gleichschritt - sind ebenso verboten wie Plakate, die eine gewisse Größe überschreiten. Zudem stellt Schwark klar, dass es bei der Demonstration um Friedrich den Großen gehen muss. "Einen Ehrenmarsch für Rudolf Heß hätten wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verboten", sagt er. Begleitet wird der Aufmarsch von einer großen Zahl Polizisten. Über die genaue Zahl und die Einsatzstrategie sagt Sprecher Sönke Hinrichs auf Nachfrage nichts. Nur soviel: "Wir werden Fremdkräfte hinzuziehen, vermutlich aus Eutin." Beamte werden zu Dokumentationszwecken und für die Strafverfolgung Videoaufnahmen machen. Während der Demonstration wird der Verkehr einspurig vorbeigeleitet. Dennoch kann es zu Behinderungen kommen. Die Kosten für den Einsatz der Polizisten und weiterer Helfer trägt der Steuerzahler.


 

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