HOLSTEINISCHER COURIER

 

Immer weniger Abbrecher

05. März 2011 | 06:40 Uhr | Von Udo Carstens

Neumünster. Es kommt nicht allzuoft vor, dass Minister der Landesregierung gleich im Doppelpack hereinschneien. Für die Pestalozzischule, die Tungendorfer Grund- und Regionalschule, war deshalb gestern ein besonderer Tag. Schulleiter Thorsten Petersen begrüßte sowohl Bildungsminister Ekkehard Klug als auch Arbeitsminister Heiner Garg. Die beiden FDP-Minister informierten sich in Neumünster über die "Flexible Übergangsphase" (siehe Extra-Kasten) und gaben zugleich eine Art Halbzeitbilanz für das landesweite Gesamt-Projekt "Schule & Arbeitswelt".

Nach den Worten von Klug lag die Quote der Schulabbrecher landesweit bei 10 Prozent. Anders ausgedrückt: Jeder zehnte Jugendliche besaß keinen regulären Abschluss und damit auch wenig Chancen auf eine Lehrstelle. Das hat sich geändert. Landesweit konnten im Sommer, zum Ende des Schuljahres 2009/2010, von den 738 Schülern der "Übergangsphase" nicht weniger als 644 ihr Abschlusszeugnis abholen.

Mittlerweile ist in Schleswig-Holstein der Anteil der Mädchen und Jungen ohne Schulabschluss auf etwa 7 Prozent gesunken. Das macht sich auch in Neumünster bemerkbar, wo, oft kritisiert, die Quote der Schulabbrecher meist noch höher war als im Lande. Auch die Stadt an der Schwale hat nach Angaben von Schulrätin Liske Salden eine Stufe von "nur" noch 8 Prozent erreicht.

Klug war stolz auf diese Zahlen, Kabinettskollege Garg sprach von einem "zentralen Signal" für die Sozialpolitik. Angesichts der Überalterung der Gesellschaft und drohenden Fachkräftemangels in der Wirtschaft könne man es sich schlichtweg nicht mehr leisten, "junge Menschen links liegen zu lassen oder in Warteschleifen zu parken". Die beiden Minister stellten zugleich fest, dass man sich nicht ausruhen dürfe. Um den Wohlstand der Gesellschaft dauerhaft zu sichern, "brauchen wir alle jungen Leute". Ziel müsse es sein, dass jeder Schüler die Chance auf einen Abschluss erhalte.

56 Millionen Euro stellen der Europäische Sozialfonds, das Land und die Agentur für Arbeit bis zum Jahr 2013 für das Projekt "Schule & Arbeitswelt" zur Verfügung. Über die Fortsetzung ist noch nicht entschieden. Für Schulleiter Petersen kann es ein Zurück gar nicht mehr geben. Im Gegenteil: Das Konzept zeige, dass das Lernen in kleinen Klassen mit 18 Schülern erfolgreich sei. Für Petersen steht längst fest: "Ein Teiler von 29 für die Klassenstärke ist unsinnig."


 

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