HOLSTEINISCHER COURIER

 

Dringendes Bedürfnis: Taxifahrer hoffen auf Hilfe

02. März 2010 | 06:45 Uhr | Von Oleg Strebos

Neumünster. Ein Grundbedürfnis macht derzeit den Taxifahrern zu schaffen. In der Innenstadt ist es für sie kaum noch möglich, kostenlos ihre kleinen und großen Geschäfte zu verrichten. Erdal Öztürk fährt für das Unternehmen 44444 und trinkt während seiner Zwölf-Stunden-Schicht schon kaum noch etwas: "Wenn ich dann dringend mal muss, dann weiß ich schon gar nicht mehr, wo ich hin soll", sagt er.

Bis vor kurzem gingen er und viele seiner Kollegen in einer Spielhalle am Bahnhof auf die Toilette, ohne dafür etwas zahlen zu müssen. Im Gegenzug kauften die Taxifahrer dort ihren Kaffee. Dieser Durchgangsverkehr ist nun aber von der Spielhalle nicht mehr erwünscht. Für die Taxifahrer bleibt der Gang zum Bahnhof, doch die Toiletten sind nur von 6 bis 22 Uhr geöffnet. Das löst das Problem also nicht für die Nachtschicht. Außerdem kostet die Toilettenbenutzung dort mittlerweile 60 Cent. "Rechnen Sie sich mal aus, was das in der Woche kostet, wenn man fünf oder sechs Tage à zwölf Stunden unterwegs ist", sagt Öztürk.

Die meisten der rund 300 Taxifahrer haben sogar Verständnis dafür, dass sie in der Spielhalle, in Bäckereien oder anderen Geschäften auf den Toiletten nicht gern gesehen sind. Erdal Öztürk sagt: "Ich würde es vielleicht auch so machen, wenn ich ein eigenes Geschäft hätte. Aber irgendwo müssen wir ja hin. In die dunkle Ecke ist ja schließlich auch nicht erlaubt, und das wollen wir auch gar nicht."

Eine Möglichkeit für Öztürk und seine Kollegen ist das historische Toilettenhäuschen an der Bahnhofstraße, das jedoch keineswegs den heute zumutbaren Standards entspricht. Es ist eine "Bedürfnisanstalt für Männer" aus dem 19. Jahrhundert und steht unter Denkmalschutz, doch nicht mal die Hände kann man sich dort waschen. Viele Fahrer wählen daher mittlerweile den Zeit raubenden Weg nach Hause. "So gehen einem dann aber immer wieder Touren verloren", meint Öztürk. Noch schlimmer sei die Situation für seine Kolleginnen. Das bestätigt Kerstin Maskos: "Natürlich kann man Zwischenstopps bei Tankstellen einlegen, aber eigentlich ist es unwürdig, dass man ständig 'bitte, bitte' sagen muss."

Eine Lösung ist derzeit noch nicht in Sicht. "Wir brauchen aber dringend Hilfe. So kann es nicht weitergehen", sagt Erdal Öztürk.


 

Leserkommentare

 


Lokalausgabe wählen

 
 

SONDERTHEMEN

Hier finden Sie die aktuellen Sonderthemen aus Ihrer Tageszeitung

24.05.

 

22.05.

19.05.

  

Die aktuellen Sonderbeilagen der Tageszeitung

 


Was suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

Wen suchen Sie?

z.B. "Hotel", "Software", "Müller"

Wo suchen Sie?

z.B. "Flensburg" , "Rote Str."

 
INSTITUT50PLUS
Lebendig leben...
Angebote für eine aktive Lebensgestaltung
 
HÄUFIG GELESEN

"Krieg ist eine Krankheit"

Friedensaktivist Eugen Drewermann fordert Abrüstung, Nato-Austritt und Abschaffung der Bundeswehr ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ