HOLSTEINISCHER COURIER

 

Die Welt zu Gast an der Förde

10. Juni 2010 | 06:15 Uhr | Von Frank Höfer

Sie organisieren das Turnier: Rainer Schwarzmeier (li.) und Martin Weber. Foto: höf

Kiel. Laura spielt für die Seychellen - offiziell. Das Kopfkissen auf ihrem Feldbett verrät jedoch, für wen ihr fußballerisches Herz im wirklichen Leben schlägt: Werder Bremen. Doch die Bundesliga ist in den Tagen kurz vor Beginn der Fußball-WM in Südafrika ja nur Nebensache. So auch auf dem Nordmarksportfeld in Kiel. Dort wird heute der "Lebensweltmeister 2010" ermittelt. Laura und die anderen Jugendlichen aus der 8c der Fridtjof-Nansen-Realschule in Gronau (Nordrhein-Westfalen) nehmen teil am Finalturnier eines Kreativ-und-Fußball-Wettbewerbs, der im vergangenen Jahr in ganz Deutschland begann und jetzt an der Förde seinen Höhepunkt findet.

4080 Jungen und Mädchen aus 14 Bundesländern - nur Mecklenburg-Vorpommern und Berlin fehlen - hatten sich ursprünglich beworben. Nach regional ausgetragener Vor- und Zwischenrunde blieben 32 Teams für das Bundesfinale übrig. Jede Mannschaft repräsentiert ein Land. Die drei Schulen aus Schleswig-Holstein etwa spielen in den Trikots von Neukaledonien (Ludwig-Meyn-Schule Uetersen), Tahiti (Regionalschule Am Himmelsberg Moorrege, beides Kreis Pinneberg) und der Salomon-Inseln auf (Johann-Heinrich-Voss-Schule Eutin).

Die 13- bis 15-Jährigen mussten sich zunächst durch kreative Leistungen gegenüber der Konkurrenz auf Länderebene behaupten. Bevor der erste Ball rollte, wurden die Pinsel bewegt, im Internet recherchiert und Bücher gewälzt. Die Jugendlichen waren gefordert, sich mit dem Leben ihrer Altersgenossen im zugelosten Land zu befassen und die Ergebnisse auf einem Plakat zu präsentieren. Wichtigstes Kriterium war, ob und wie sie sich mit den Heranwachsenden in der Ferne vernetzt hatten. Der Kontakt kam nicht zuletzt über die Botschaften der jeweiligen Gastländer zustande.

Bundeskoordinator Martin Weber (47) möchte die Jugendlichen mit diesem Ansatz dazu bewegen, sich in das andere Land hineinzudenken. "Geben Sie den Jugendlichen eine Fahne von Mexiko, und sie sind in drei Minuten Mexikaner. Auf einmal interessieren sie sich für eine Sache wirklich", sagt der in Neudorf bei Gettorf lebende Bundeskoordinator, der seit 2006 an dem Projekt gearbeitet hat. "So kann man Jugendliche für eben jene Themen und Länder begeistern, die ansonsten eher abstrakt bleiben."

Dem stimmt der für Süddeutschland zuständige Koordinator Rainer Schwarzmeier (48) zu: "Für uns war es wichtig, dass sich die Schüler nicht nur über Google informieren, sondern möglichst direkten Kontakt zu den Jugendlichen im Partnerland aufbauen." Im Fall der Gronauer Realschule scheint das gelungen: Timo, ein Schüler der 8c, mailte eine internationale Schule auf den Seychellen an und bekam gleich Antwort von einer ganzen Klasse. Und die deutsch-tropische Partnerschaft setzt sich sogar noch auf privater Ebene fort: Eine Lehrerin der Realschule besucht die Inselgruppe im Indischen Ozean bald auf ihrer Hochzeitsreise. Das sei jedoch Zufall und habe nichts mit Fußball zu tun, versichert die Klassenlehrerin der 8c.


 

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