HOLSTEINISCHER COURIER

 

Die Stadt der Bücherwürmer

23. Juni 2010 | 06:45 Uhr | Von Dörte Moritzen

Einer der jüngsten Leser: Max Grunwald (2) aus der Böcklersiedlung war gestern mit seiner Mama in der Stadtbücherei und hatte sich ein schönes Bilderbuch ausgesucht. Foto: Lobin

Neumünster. In Neumünster sind die Leseratten auf dem Vormarsch. Von 2005 bis 2009 stieg die Zahl der entliehenen Medien aus öffentlichen Bibliotheken, also aus der Stadtbücherei und den Stadtteilbüchereien, um satte 10,4 Prozent. Das errechnete Regio-Data, ein Statistik-Dienst der Deutschen Presseagentur, für unsere Zeitung aus den Zahlen der Deutschen Bibliotheksstatistik. Damit liegt Neumünster nicht nur über dem Landesdurchschnitt (+6,7 Prozent), sondern auch über dem des Bundes (+4,8 Prozent). Deutlich geschlagen wird Neumünster in der Entwicklung nur von Flensburg (+36,5 Prozent). In den übrigen kreisfreien Städten zieht es die Bürger weit weniger in die Leihbüchereien (Lübeck: +6,3 und Kiel +1,6). Schlusslicht im Land ist mit einem Rückgang um 4,9 Prozent der Kreis Dithmarschen.

Dr. Klaus Fahrner, Leiter der Stadtbücherei, ist von den positiven Zahlen nicht überrascht. "Diese erfreuliche Tendenz kann ich nur bestätigen. Hätten wir 2009 wegen des Umzugs im Frühjahr nicht fünf Wochen schließen müssen, wären sie noch besser", sagte er. Und wer sind die fleißigsten Bücherwürmer? "Unsere Hochfrequenz-Leser sind eindeutig die Kinder und Jugendlichen", so Fahrner. "Die 8- bis 14-Jährigen nutzen das Angebot am häufigsten. Dabei greifen sie nicht nur zu gedruckten Geschichten, sondern auch gern mal zum Hörspiel - genau wie die Älteren. Hörbücher sind bei den Erwachsenen der Renner", erklärte der Bücherei-Leiter. Deshalb werden sie zügig neu angeschafft. Gut gehen auch Musik-CDs. Pop-Musik und Jazz sind beliebter als Klassik.

Viele Erwachsenen mögen außerdem Thriller, Krimis, historische Romane oder Fantasy-Geschichten lesen. "Wir haben viele Unterhaltungsleser. Zwei Drittel davon sind Frauen", sagte Klaus Fahrner. Das Sachbuch hingegen ist das Sorgenkind der Bibliothekare. Damit sind die Neumünsteraner nicht allein.

In der Regel können alle Werke vier Wochen lang entliehen werden. Nur die neusten Exemplare der 110 Zeitschriften müssen in der ersten Zeit vor Ort studiert werden.

Erwachsene zahlen für die Ausleihe pro Jahr 20 Euro. Kinder bis 18 Jahre dürfen den Service der Stadtbücherei gratis nutzen. Vielleicht ist das auch ein Teil des Erfolges für die Neumünsteraner, denn so manche familiäre Haushaltskasse hat in Zeiten der Wirtschaftskrise durchaus mal Ebbe. Da kann nicht jedes Buch neu angeschafft werden. "Gerade für Familien mit mehreren Kindern ist es ein tolles Angebot", meinte der Leiter. Gemeinsam mit seinen Kollegen versucht er immer, den Interessen der Leser entgegen zu kommen - und schafft besonders begehrte Bücher, CDs oder Filme möglichst zügig an. Er hat 90 000 Euro pro Jahr aus städtischen Mitteln zur Verfügung. Weitere 30 000 Euro kommen vom Bücherverein Schleswig-Holstein . "Aber wir kaufen auch nicht jeden Mist. Zum Beispiel Horrorfilme kommen nicht in unser Sortiment", sagte er.


 

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