Der "kurze Weg" ist in Gefahr

03. September 2010 | 04:20 Uhr | Von Udo Carstens

Es geht um die Wurst: Am Mittwoch protestierten die Labor-Mitarbeiter gegen weitere finanzielle und personelle Kürzungen. Foto: carstens

Neumünster. Bei ihrem Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze erhält die Belegschaft im Landeslabor moralische Unterstützung. Sowohl der Landesverband Nord der Lebensmittelchemiker im öffentlichen Dienst (NLC) als auch die Vereinigung beamteter Tierärzte (VBT) im Norden loben die verlässliche Arbeit im Landeslabor und warnen vor den Folgen, die die anhaltende Kürzung der Zuschüsse mit sich bringt.

Dr. Christine Bothmann aus dem Kreis Dithmarschen ist die VBT-Landesvorsitzende. Sie spricht mit Blick auf die Untersuchungen im Landeslabor von einer "Grundlagenarbeit im Alltag, die in der Krise erst sinnvolles, schnelles Handeln ermöglicht". Bei der Tierseuchenbekämpfung, bei der Lebensmittelüberwachung oder der Fleischhygiene (Stichworte: Trichinen oder BSE) - überall sei im Ernstfall der "kurze Weg" wichtig.

Die Arbeit des Neumünsteraner Labors bewertet Christine Bothmann als "hervorragend". Sollte aber der Rotstift weiter regieren und das Personal ausgedünnt werden, "müssen wir alle lange auf Ergebnisse warten".

Der NLC weist in seiner Stellungnahme auf heute schon bestehende Defizite hin. Danach werden weder der zunehmende Internethandel - etwa für die Nahrungsergänzungsmittel der Sportler - noch die Verkäufe über Auktionshäuser wie Ebay kontrolliert. Dabei zeige die Erfahrung, dass oft ausländische Adressen oder Postfachanschriften die Verantwortlichen bewusst verschleierten. Akut gefährdet ist für den NLC auch die weitere Teilnahme am europaweiten "Umweltmonitoring". Bei diesem Projekt werden grenzübergreifend Daten von Schadstoffen wie Blei oder Dioxinen gesammelt, die in eine verbindliche EU-Höchstmengenregelung einfließen sollen.

Die Unabhängigkeit der Untersuchungsarbeit sieht auch Dr. Wolfgang Wodarg in Gefahr. Der Ex-SPD-Bundestagsabgeordnete, der als früherer Amtsarzt vom Fach ist und sich heute bei der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International engagiert, hat die Erfahrung gemacht: "Wissenschaftler kann man kaufen."

Seine Unterstützung für die Kollegen im Landeslabor verbindet Wodarg mit einem persönlichen Appell an seinen Ex-Bundestagskollegen und heutigen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU), die Kürzungen zurückzunehmen. "Ich befürchte", erklärt Wodarg, "der Spardruck dient der großen Industrie."


 

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