HOLSTEINISCHER COURIER
Das Amtsgericht hat einen neuen Chef
Andreas Martins ist ab heute der neue Direktor des Amtsgerichts und freut sich auf die neue Aufgabe. Foto: Moritzen
Neumünster. Das Amtsgericht hat einen neuen Direktor. Heute tritt Andreas Martins (51) offiziell sein Amt als Leiter an. Damit ist die Position nach vier Monaten wieder besetzt. Vorgänger Wilfried Hoops war Ende Juli als Abteilungsleiter ans Kieler Justizministerium gewechselt.
Mit Andreas Martins übernimmt ein erfahrener Jurist, der sich auch in Neumünster seit Jahren bestens auskennt, den Chefposten. Der gebürtige Kieler, der verheiratet ist, begann seine juristische Karriere 1989 als Staatsanwalt in Kiel.
Zehn Jahre war er dort tätig und hat unter anderem die Ermittlungen zur Schubladen-Affäre mit voran getrieben und rechtsextremistische Straftaten untersucht. "Ich habe das mit Leidenschaft gemacht. Diese Zeit hat mich geprägt", sagt er in der Rückschau. Anschließend ging er für drei Jahre als Richter ans Oberlandesgericht (OLG) nach Schleswig, wo er zuerst Angehöriger eines Familiensenats, dann eines Strafsenats war. Im August 2004 wurde er ans Amtsgericht Neumünster abgeordnet - und zwar als Vorsitzender eines Schöffengerichts und als Strafrichter. Der Wechsel war sein Wunsch. "Am OLG gab es viel Papier und wenig Menschen", meint der Jurist. "Ich wollte wieder mehr Richter sein", bekennt er.
Aus dem gleichen Grund wird er auch in Zukunft als Direktor den Vorsitz eines Schöffengerichts behalten. "Ich bin mit Leib und Seele Strafrechtler und wollte mir den Bereich erhalten", sagt Martins. Denn "ausschließlich Verwaltungsbeamter" möchte er nicht sein, auch wenn er weiß, dass man "als Richter oft mit den Abgründen des Lebens zu tun hat".
"Natürlich nimmt man auch mal Probleme mit nach Hause", sagt er. "Aber man muss Dienstliches und Privates trennen können". Abwechslung findet er beim Zeichnen. Besonders Karikaturen von Kollegen aus dem ganzen Land sowie justizkritische Cartoons sind sein Markenzeichen und wurden bereits in den Landgerichten Kiel und Flensburg sowie im Oberlandesgericht in Schleswig ausgestellt.
Gezeichnet hat Andreas Martin "eigentlich schon immer". In der Schulen waren es die Lehrer und Mitschüler, Stift und Papier kamen später auch mit zur Bundeswehr. Die Kollegen aus der Justiz stehen seinen Anfragen in der Regel aufgeschlossen gegenüber. Allerdings: "Frauen lassen sich weniger gern zeichnen", hat Martins festgestellt.
Seiner neuen Aufgabe als Direktor des Amtsgerichts sieht er mit Freude entgegen. "Mit 121 hoch motivierten Beschäftigten übernehme ich ein bestens aufgestelltes Haus", ist er sich sicher. "Zum Jahresende wird ein nachhaltiger Generationswechsel in der Richterschaft vollzogen sein, die dann einen Altersdurchschnitt von 41 Jahren bei ebenso vielen weiblichen wie männlichen Kollegen aufweist", sagt der neue Chef. Das hiesige Amtsgericht schätzt er auch, weil es sich um ein Haftgericht handelt und somit viele Verfahren, die im Zusammenhang mit der Justizvollzugsanstalt stehen, hier verhandelt werden. "Das ist schon sehr anspruchsvoll", so Martins. Und Neumünster? Als Stadt? "Ich sehe Neumünster sehr viel positiver als viele andere. Ich habe die Stadt schätzen gelernt. Auch kulturell. Es ist eine liebenswerte Stadt", davon ist der neue Gerichts-Chef überzeugt.
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