HOLSTEINISCHER COURIER
13-jähriger Magier der Zahlen
Neumünster. Potenzrechnen ist in der Mathematik eine beliebte Spielwiese. Die "Hochzahlen", und seien sie noch so groß, gehören zum täglichen Werkzeug der Experten. Und das gilt offenbar auch für den Nachwuchs. Die Frage "Wie heißen die letzten drei Ziffern der Zahl 72010?" schreckt Karl Doose überhaupt nicht. Zwar kann der 13-Jährige die Antwort nicht sofort nennen, aber er weiß auf jeden Fall, wie er an die Aufgabe herangehen muss. "Die ersten Potenzen bilden - also 1, 7, 49, 343, . . . - und dann bestimmte Regelmäßigkeiten entdecken."
Mit dieser Fähigkeit zum Kombinieren hat es der Achtklässler der Alexander-von-Humboldt-Schule weit gebracht. Jetzt ist Karl Doose mit dem "Anerkennungspreis" von der bundesweiten Mathematik-Olympiade aus Göttingen zurückgekehrt. Das bedeutet: In der Endrunde mit rund 60 Teilnehmern belegte der Humboldt-Schüler Platz vier. Man könnte aber ebenso sagen, dass der Untertertianer der viertbeste Mathematiker seiner Altersklasse ist.
Dabei hatte er, wie er selber einräumt, keineswegs immer eine Eins im Zeugnis. Aber eine solide Zwei war es schon, und jetzt findet Karl offenbar bei den Mathematik-Lehrerinnen Kati Reimers und Mechthild Schöffler-Wallmann die richtige Unterstützung. Drei Hürden hatte er für die Olympia-Qualifikation zu nehmen. Dem anfänglichen Hausaufgabentest folgte im Herbst die strenge Kreisrunde und wenig später die Schleswig-Holstein-Ausscheidung im Hörsaal an der Kieler Universität.
Als einziger Humboldt-Schüler vertrat er mit der zwölfköpfigen Gruppe in Göttingen dann die Farben des nördlichsten Bundeslandes. "Das Hotel war toll", erzählt Karl Doose, "die Organisation war super". Vier Tage dauerte die Mathe-Olympiade, da blieb neben den anstrengenden Klausuren noch genügend Zeit, die Stadt zu erkunden.
Der Höhepunkt war die Siegerehrung. Gemeinsam mit der Urkunde wurde dem jungen Logiker aus Neumünster auch ein wertvolles Buch ausgehändigt. Und wie der Zufall so spielt: In seinem hochgerühmten Werk "Die Vermessung der Welt" beschreibt Daniel Kehlmann eben auch den Lebenslauf von Alexander von Humboldt - Namenspatron des Einfelder Gymnasiums.
Seiner eigenen Schule und den "freundlichen Lehrern" stellt Karl Doo se, der mit Eltern und elfjähriger Schwester Katharina in Timm aspe wohnt, gute Noten aus. Er nutzt auch die Freizeitangebote, so ist er mit der Segelgruppe regelmäßig auf dem Einfelder See unterwegs. Turnen wiederum, das gesteht er ein, ist nicht sein Ding. Als Überflieger will Karl Doose nicht gelten. "Ich habe das Glück, nicht G 8 zu sein", freut er sich über die Freizeit während seiner neun Jahre zum Abitur. Und so greift der jugendliche Mathe-Star auch gerne zum Fantasy-Buch. Tolkien steht bei ihm ganz hoch im Kurs. An "Der Herr der Ringe" kann sich der jugendliche Herr der Zahlen gar nicht satt lesen.
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