HOLSTEINISCHER COURIER
Neumünster
Rohrbruch zwingt Karstadt zur Pause
Kampf gegen die Fluten: Während eine Karstadt-Mitarbeiterin versucht, die Wasserlachen in Schach zu halten, bringt eine Kollegin die Computer in Sicherheit. Die Aufräumarbeiten gestern Mittag nützten jedoch wenig: Am Nachmittag wurde das Haus geschlossen.
Neumünster. Ob die Kunden im Karstadt-Reisebüro gerade von der karibischen Brandung träumten, ist nicht überliefert, aber fest steht, dass hinter den freundlichen Reisefachfrauen plötzlich das Wasser rauschend aus der Wand strömte - und das war kein Traum! "Wir dachten erst an eine defekte Heizung, als es zu rauschen anfing", erinnerte sich Karstadt-Mitarbeiterin Aline Pankow, "aber dann drückte das Wasser auch schon durch die Wand."
Binnen Minuten standen gestern kurz vor Mittag nicht nur das Reisebüro, sondern auch die komplette Parfümerie und Teile der Multimedia-Abteilung des Kaufhauses unter Wasser. Etwa ein Drittel der Erdgeschossfläche war betroffen. Die Mitarbeiter lotsten die Kunden aus dem überschwemmten Bereich und alarmierten die Feuerwehr.
Das Wassen läuft an den Schaufensterscheiben herunter
Dennoch dauerte es noch gut zehn Minuten, bis der Wasserstrom endlich gestoppt werden konnte. Ursache der Überschwemmung war offensichtlich ein Defekt in der Sprinkleranlage. Ein Glasröhrchen, das normalerweise erst bei großer Hitze zerspringen soll, war geborsten und hatte den Kreislauf der automatischen Feuerbekämpfung in Gang gesetzt - inklusive mehrerer Pumpen, die das Wasser zur vermeintlichen Brandstelle pressten. Während zahlreiche Passanten, von den Feuerwehrfahrzeugen angelockt, von draußen verwundert verfolgten, wie das Wasser an den Schaufensterscheiben herunterlief, begannen drinnen schon die Aufräumarbeiten.
Die Filialleiterin Christin Krümmel hatte aus allen Abteilungen Mitarbeiter zum Wasserschaufeln abkommandiert, um den Schaden und die gesperrten Bereiche des Kaufhauses möglichst klein zu halten. Während die Techniker in aller Eile Computer und technische Gerätschaften abmontierten und in Sicherheit brachten, fegten Verkäuferinnen teilweise nur mit Besen und Eimer das Wasser zusammen. Es stand bis zu drei Zentimeter hoch im Kaufhaus.
"Die Sicherheit der Kunden geht vor"
Den Plan, das Haus trotz des massiven Wassereinbruchs zumindest teilweise offen zu halten, musste die Geschäftsleitung gestern Nachmittag allerdings aufgeben. Inzwischen hatte das Wasser auch Teile des Kellers unter Wasser gesetzt und drohte schon, die Hauselektrik zu fluten. Gegen 14 Uhr ließ Kaufhauschefin Christin Krümmel das Haus räumen, alles wurde auf Notstrom umgeschaltet. "Die Sicherheit der Kunden geht vor", sagte sie als Begründung.
Zur Sicherheit schickten die Techniker kurz darauf sogar die Belegschaft außer Haus. Während der Zwangspause wärmten sich die Mitarbeiter im "Kochlöffel" schräg gegenüber auf. Lediglich eine kleine Restmannschaft bewachte das Haus und vertröstete die Kundschaft an den Haupteingängen: Auch für die Zentralverriegelung der Türanlage war der Strom ausgefallen. Erst nach 17 Uhr hatten die Techniker die Probleme behoben. Das Kaufhaus will heute wie gewohnt um 9 Uhr öffnen.
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