HOLSTEINISCHER COURIER

 

Frieda Bolduan hat zehn Kinder groß gezogen

07. Mai 2011 | 04:00 Uhr | Von Helmut Friebel

Sat-1-Moderatorin Marlene Laufen (rechts) interviewte die ehemalige SOS-Kinderdorf-Mutter Frieda Bolduan vor laufender Kamera in der Boostedter Bahnhofstraße für das Frühstücksfernsehen. Foto: Friebel

Sie hat keine eigenen Kinder, aber als Haushälterin und SOS-Kinderdorfmutter gab sie Kindern ein Zuhause

Boostedt. Morgen ist Muttertag. Das ist für die 81-jährige Neu-Boostedterin Frieda Bolduan ein ganz besonderer Tag. Schließlich ist sie auch eine ganz besondere Mutter. Insgesamt zehn Kinder hat sie mit viel Liebe und unendlich viel Einsatz in ihrem bewegten Leben groß gezogen - keins davon war ihr eigenes. Frieda Bolduan ist eine SOS-Kinderdorf-Mutter gewesen.

Aufgewachsen ist sie in Rügenwalde in Hinterpommern. Mit 16 Jahren war sie - wie so viele andere - auf der Flucht und kam über mehrere Stationen letztlich nach Salzgitter. Hier fand sie Arbeit als Haushälterin bei einer Familie mit drei kleinen Kindern. 20 Jahre sorgte sie sich um sie, teilte Freud und die großen und kleinen Sorgen mit ihnen - bis die Kinder flügge wurden und auch der Letzte das Haus verließ.

Zu ihrer neuen und große Herausforderung kam Frieda Bolduan eher zufällig. Im Radio hörte sie eine interessante Reportage über die Kinderdörfer. Wenig später lernte sie im Urlaub eine Frau aus Hamburg kennen, freundete sich mit ihr an. Mit ihr und unter ihrer Führung besichtigte sie das SOS-Kinderdorf in Norderstedt - und wurde prompt angeworben. Frieda Bolduan übernahm die Hauswirtschaft im Gemeindehaus, wurde schnell zur guten Seele des Dorfes, die stets mit einem Leckerbissen und hilfreicher Hand schnell die Zuneigung der Kinder gewann. Da war es dann eher zwangsläufig, dass man sie zur "Mutter" überredete. "Wir fuhren nach Flensburg, da warteten mit großen Augen in einem Kinderheim vier kleine Geschwisterkinder auf uns", berichtet sie. "Ich bin noch einmal spazieren gegangen, hab auf einer Bank gesessen. Aber nein sagen, das konnte ich wirklich nicht."

1972 bezog sie dann im Norderstedter Dorf das eigene Haus, hatte plötzlich als allein-erziehende 43-jährige Mutter eine eigene Familie. Drei weitere Kinder kamen hinzu. "Das waren meine Kinder und meine Mutter war die Oma", stellt sie fest. Viel zu erzählen hat sie aus diesen turbulenten Jahren. Vor allem von den Ausflügen mit dem Käfer. "Als wir bei Hagenbeck ausstiegen, war die Überraschung groß, als da gleich sieben herauskrabbelten." Doch nach und nach verließen die Kinder das Dorf. 1987 zog sie in eine Vier-Zimmer-Wohnung um, die beiden Jüngsten (18) nahm sie mit. 1992, als auch die auf eigenen Beinen standen, ging sie in Rente, zog nach Henstedt-Ulzburg. Ja - und 2009 holte "Tochter" Marina Weber sie nach Boostedt. "Das war für mich keine Frage. Ich habe immer gesagt, meine Mutter zieht bei mir ein", erzählt Marina Weber. Aber der Kontakt zu allen anderen ist ebenfalls nie abgerissen. Es gibt einen richtigen Familienzusammenhalt. So wird Frieda Bolduan denn auch morgen wieder mit Anrufen und vielen Blumen überhäuft werden. "Ich habe alles gut gemacht, bin mit allem zufrieden", zieht Frieda Bolduan ihr bescheidenes Fazit.

Längst ist sie übrigens auch als "Vorzeige-Mutter" von den Medien entdeckt worden. Jüngst war wieder das Fernsehen mit Sat-1-Moderatorin Marlene Laufen in Boostedt. Für das Frühstücksfernsehen des Senders wurde eine Danke-Schön-Reportage gedreht (Der Sendetermin steht noch nicht fest.). Danken wird ihr hier Sohn Andreas Krause, der mit drei Jahren zu ihr ins Kinderdorf gekommen war. "Das war unser Sonnenschein, wir haben ihn alle verwöhnt", erzählt Frieda Bolduan. Daneben hat sie aber auch seine musische Ader unterstützt. Heute ist er ausgebildeter Obertonsänger und Musiker in Hamburg, hat mehrere CDs veröffentlicht. Um so größer war Frieda Bolduans Überraschung, als die Fernsehleute sie nach Neumünster ins Theater in der Stadthalle entführten, wo sie ganz allein in dem Zuschauerraum war. Der Vorhang ging auf, da saß ihr Andreas am Flügel und spielte ihr ein Ständchen. Mit einem Blumenstrauß in der Hand sagte er ihr vor laufender Kamera "Danke".


 

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