HOLSTEINISCHER COURIER
Dubiose Sammlung in Wittorf
Neumünster. Doris Wasmund ist erbost. Als sie am Sonnabend ihre Mutter in Wittorf besuchen wollte, klingelte es dort am späten Nachmittag an der Tür. Davor stand ein Mann, der Mitglieder für eine Organisation werben wollte, die sich nach seiner Aussage um Behinderte kümmert. Unter anderem würde der Verein Fahrdienste übernehmen.
Die Frau wurde stutzig. "Ich habe selbst eine behinderte Tochter. Ich weiß, dass dieser Verein in Neumünster die offiziellen Transporte nicht übernimmt", erklärte sie. Darauf habe sie den dubiosen Sammler auch angesprochen. Doch der blieb eine Erklärung schuldig, wurde stattdessen unwirsch.
"Ich bat ihn um eine Broschüre oder eine Visitenkarte. Ich wollte etwas zum Nachlesen haben", erzählte Doris Wasmund. Doch damit konnte der Mann nicht dienen. Stattdessen forderte er sie nachdrücklich auf, ein Formular auszufüllen und meinte, sie würde "dann ja eine Durchschrift bekommen" und hätte dann ja etwas in der Hand.
"Er war sehr hartnäckig", beklagte sich die Wittorferin. Außerdem empfindet sie es als ungerecht, dass " die behinderten Kinder benutzt werden, damit die Leute kurz vor Weihnachten den Geldbeutel öffnen". Für sie sind es bestenfalls Halbwahrheiten, die der Mann erzählte.
Auch bei der Polizei in Wittorf meldete sich am vergangenen Sonnabend eine Anwohnerin aus der Steenkoppel und beschwerte sich über einen recht unverschämten Mann, der für die Hilfsorganisation Mitglieder werben würde. "Er soll ausfallend geworden sein, als die Frau die Haustür wieder zumachte", sagte Polizeisprecher Sönke Hinrichs. Eine Streife wurde deshalb zum Ort des Geschehens geschickt. Die Beamten trafen dort auch einen Sammler an. "Das Bitten um Spenden ist ebenso wenig verboten wie das Werben um Mitglieder", erklärte Hinrichs.
Den Polizisten blieb somit nur, dem Mann ein paar Verhaltensmaßregeln mit auf den Weg zu geben. Der Polizeisprecher rät den Anwohnern deshalb, immer möglichst genau hinzusehen und selbst einzuschätzen, ob die Sache seriös ist oder nicht. Im Zweifel sollten sie die Polizei rufen - insbesondere, wenn sie sich durch Sammler bedrängt fühlen.
Dass der Bittsteller in Wittorf bei seiner Mitgliederwerbung offenbar nicht so ganz mit offenen Karten spielte, bestätigte gestern auch die Stadt. "Die Behindertentransporte werden bei uns vom Fahrdienst MediCar und der Johanniter-Unfallhilfe übernommen", erklärte Stadtsprecher Stephan Beitz auf Anfrage.
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