HOLSTEINISCHER COURIER
Neumünster
Der kurze Traum von der Gartenschau
Ein Blick von der Max-Johannsen-Brücke auf das Gewerbegebiet neben dem Bahngelände. Nicht alle Mitglieder im Bauausschuss konnten sich hier eine Landesgartenschau vorstellen. Foto: Bluhm
Neumünster. Alle hielten die Idee für reizvoll, aber keiner wollte das Risiko mittragen - bis auf Helga Bühse (CDU). Mit viel Herzblut, aber letztlich vergeblich warb die Ratsfrau im Bauauschuss für ihre Idee, die Landesgartenschau 2016 nach Neumünster zu holen. Nach gut halbstündiger, durchaus wohlwollender Debatte stimmte nur Bühse selbst für den Plan: Die Landesgartenschau wird nicht kommen.
Dabei hatte Bühse durchaus Argumente für ihre Vision, die renommierte Gartenmesse ausgerechnet in das brachliegende Gewerbegebiet unter und südlich der Max-Johannsen-Brücke anzusiedeln. Auf mindestens zwölf Hektar - das ist die Mindestgröße - hätte die Schau das Potenzial zu einem Besuchermagneten, der mindestens landesweit ausstrahlt. Neumünster hätte neben dem neu eröffneten DOC eine weitere Attraktion ganz anderer Art zu bieten, um den Fokus auf die Stadt zu richten, sagte Helga Bühse und sprach von einer einmaligen Gelegenheit. Denn das in Rede stehende Gebiet westlich des Bahngeländes wird demnächst zumindest in Teilen förmlich Sanierungsgebiet ("Messeachse"), und auch für eine Gartenschau ließen sich dann Fördergelder einwerben.
Unterstützung bekam sie aus der Verwaltung: Bei geschickter Vorbereitung der Nachnutzung könne die Stadt durchaus langfristig profitieren, sagte Bernhard Hörst, Fachdienstleiter Stadtplanung und Stadtentwicklung. Gepflasterte Flächen, Wege und Hallen würde man über die Gartenschauzeit hinaus erhalten, lediglich reine Gartenanlagen zurückbauen. Industriebrache und Gartenschau müssten keine Gegensätze sein, widersprach Hörst entsprechenden Bedenken aus dem Ausschuss. So habe etwa die Einbindung des Lokschuppens durchaus "seinen besonderen Reiz". Einig war sich Hörst mit Bühse auch in der Einschätzung, dass die Gartenschau keineswegs die Ansiedlung neuer Unternehmen blockieren würde: "Das können wir ausschließen."
Der Bauausschuss zeigte durchaus Sympathie, schreckte letztlich aber vor den Kosten und wohl auch vor der eigenen Courage zurück. Rund 44 000 Euro würde nach Recherchen der Stadt allein die Bewerbung (inklusive Konzept, Leitmotiv, Planungen für Nachnutzung etc.) kosten, und das ohne Garantie, dass Neumünster tatsächlich den Zuschlag bekäme. Und: Wegen der kurzen Bewerbungsfristen müsste die Stadt sofort mit den Planungen beginnen. Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras forderte daher vom Ausschuss eine Entscheidung "jetzt und sofort: Wenn Sie die Landesgartenschau wirklich wollen, beginnen wir morgen mit den Planungen", versprach er. Ohne Votum werde er die 44 000 Euro jedoch nicht freigeben, stellte der Verwaltungschef klar.
Das war selbst Helga Bühses Parteifreund Hans-Jürgen Rahlf zu heiß: Das Zeitfenster sei zu eng; man dürfe gerade im Wettbewerb "nichts mit der heißen Nadel stricken", sagte Rahlf. Auch Thomas Krampfer (Grüne), sonst durchaus für eigenwillige Entscheidungen bekannt, bedauerte: Eine gute Idee, aber ein solches Projekt brauche das Votum der Ratsversammlung. Ideengeberin Helga Bühse sprach nach dem Nein im Ausschuss dagegen enttäuscht von einer verpassten Chance: "Ich hätte die 44 000 Euro gern investiert."
Leserkommentare
Lust auf mehr? Den Holsteinischen Courier jetzt
2 Wochen kostenlos testen.






Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden
Warum muss ich mich anmelden/registrieren?
shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!