HOLSTEINISCHER COURIER
Thomas Krampfer hält seine erste Rede als Fraktionschef
Neumünster. Wenn am Dienstag in der Ratsversammlung über den "Club 88" debattiert wird (siehe Artikel auf Seite 13), geht auch Thomas Krampfer ans Rednerpult - erstmals in seiner Eigenschaft als frisch gewählter Fraktionsvorsitzender der Grünen. Krampfer, Mitglied im Bauausschuss seit 1994, Ratsherr seit 2005, tritt damit die Nachfolge an von Petra Müller, die wegen starker beruflicher Anforderungen diesen Posten abgegeben hatte.
Die Grünen-Fraktion zählt ebenso wie die FDP vier Köpfe. Stärker sind das Bündnis für Bürger (5), SPD und CDU (jeweils 15). Als prozentual schlechteste Partei der letzten Kommunalwahl stellen die Grünen bei den Debatten immer den fünften Redner. Um nicht alles zu wiederholen, müsse man deshalb stärker als die politische Konkurrenz originelle Beiträge liefern, sagt Krampfer. Das allerdings dürfte ihm nicht schwer fallen, gehörte er doch einst dem wortgewaltigen Polit-Kabarett des Statt-Theaters an.
Krampfer, Jahrgang 1959, ist ein wenig stolz, dass er am 5. Mai - und damit am gleichen Tag wie "der olle Marx" - Geburtstag hat. Der ausgebildete Soziologe unterrichtet heute Wirtschaft und Politik an der Elly-Heuss-Knapp-Schule. Der ständige Umgang mit seinen Schülern erlaubt ihm die Einsicht, dass der leidige "Club 88" viel an Strahlkraft verloren hat. Dass so gut wie kein Elly-Heuss-Knapp-Schüler sich die Parolen der Neonazis zu eigen macht, ist für Krampfer ein gutes Zeichen der funktionierenden Zivilgesellschaft.
Insgesamt bedauert der neue Grünen-Fraktionschef, dass das anhaltende städtische Spar-Diktat viele politische Debatten ausbremst. Die Bildungspolitik oder auch die demographische Entwicklung gehören für Krampfer zu den Herausforderungen der Zukunft. Am Herzen liegt ihm zudem ein eigenes "Leitbild" für Neumünster: "Die Stadt muss formulieren, wohin sie will."
In diesem Bereich können sich die Grünen gut einbringen, davon ist Krampfer überzeugt. Gerade als Fraktionschef müsse man gut kommunizieren, auch mit den anderen Parteien. "Aber man muss auch Grenzen setzen und das Profil stärken."
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