HOLSTEINISCHER COURIER
Dicker Scheck für die Algenforschung
In den Probebecken und Kontrollflaschen steckt so manche Überraschung. Das zeigte Biologin Dr. Dörte Hoffmann beim Rundgang durch den Betrieb mit Landrätin Jutta Hartwieg, Heinz Schelwat von Sea & Sun und Staatssekretärin Dr. Cordelia Andreßen (von links). "Algen sind wahre Meister aus dem Chemiebaukasten der Natur", meinte die Biologin. Foto: Seiler
Trappenkamp. Angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach Speisefisch, Algenbiomasse und Eiweiß kommt der Aufzucht in modernen Aquakulturen eine immer größere Bedeutung zu. Darum überreichte Staatssekretärin Dr. Cordelia Andreßen gestern einen Förderungsbescheid über 321000 Euro für die Erforschung neuer Kreislaufsysteme und Algenprodukte an das Trappenkamper Unternehmen Sea & Sun.
"Algen sind einfach kleine Wunderwerke der Natur und stecken voller Überraschungen", sagt Heinz Schelwat von Sea & Sun in Trappenkamp. Wie viel Potenzial in den kleinen grünen oder roten Kraftwerken aus der Natur steckt, überrascht selbst Schelwat und Dr. Karsten Pankratz, der sich in dem Trappenkamper Unternehmen mit der Entwicklung von Aquakulturen beschäftigt. Abhängig von der Prozesssteuerung können Algen zu schlichtem Fischfutter, hochwertigen Nahrungsergänzungsmitteln oder zu wertvollen Rohstoffen für Medizin oder Kosmetik verarbeitet werden. Jetzt will das Unternehmen mit Mikroalgen neue Wege in der Aquakultur, sprich: Fischzucht, und der Produktion von Mikroalgen gehen.
Die Aquakultur gehört weltweit zu den am stärksten wachsenden Indu striezweigen. "Hierin liegen auch erhebliche Chancen für Schleswig-Holstein als Land zwischen zwei Meeren", sagte Cordelia Andreßen, bei der Übergabe des Zuwendungsbescheides des Landes.
Sea & Sun wurde 1998 mit drei Mitarbeitern gegründet und beschäftigte sich zunächst mit dem Bau von Solaranlagen und Messtechnik für die Meeresforschung. Bis heute hat sich das Unternehmen zu einem weltweit tätigen Mittelständler mit 38 Mitarbeitern gemausert. Etwa 20 weitere Arbeitsplätze könnten im Bereich der Algenproduktion entstehen.
Die jüngste Idee ist die Entwicklung geschlossener Kreislaufsysteme, in denen Fischzucht, Algenzucht und regenerative Energie zu einem klugen Netzwerk verschmelzen. "Noch ist vieles Zukunftsmusik, die allerdings nach soliden Noten gespielt wird", sagen Pankratz und Schelwat. In der Gönnebeker Gärtnersiedlung entsteht zurzeit in einer ehemaligen Gewächshausanlage auf 6000 Quadratmetern Fläche ein biotechnologisches Forschungs- und Versuchszentrum, in dem geschlossene, energetisch autarke Aquakulturen, innovative Mikroalgen-Biotechnologie und industrielle Prozesssteuerungen bis zur Praxisreife erprobt werden sollen. Das könnte auch ein Stück Zukunft für Gartenbaubetriebe sein, meinten Staatssekretärin Andreßen und Segebergs Landrätin Jutta Hartwieg beim Rundgang durch den Entwicklungsbereich der Algenforschung im Unternehmen. "Wenn das Projekt marktreif ist, könnten Gärtnereien mit ihrer überschüssigen Wärme auch als zusätzliches Standbein Algen produzieren", sagte Schelwat.
In die beiden geplanten Forschungsbecken in der Gönnebeker Gärtnersiedlung sollen schon bald die ersten Karpfen einziehen. Die produzieren dann als Abfallprodukt den Dünger, den die Algen brauchen und in wertvolle Rohstoffe umwandeln.
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