HOLSTEINISCHER COURIER
Angelika Beer tritt für die Piraten an
Stammtisch bei den Piraten: Jochen und Thea Behrens (vorne) diskutieren mit Angelika Beer und Peter Matthiesen. Foto: Carstens
Neumünster. Mit den Piraten macht sich eine neue Partei Hoffnungen auf den Einzug in den Kieler Landtag. Falls der Ende 2007 gegründete Landesverband auch nur annähernd so gut abschneidet wie ihre Parteifreunde in Berlin - dort "enterten" die Piraten mit 9 Prozent der Wählerstimmen den Senat -, dürfte es ein politisches Comeback von Angelika Beer (54) geben. Die prominente Ex-Grüne, ehemalige Bundestagsabgordnete, ehemalige Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, ehemalige Europa-Abgeordnete und zwei Jahre lang auch Bundesvorsitzende ihrer Partei, kandidiert auf Platz 6 der Landesliste. Sie ist quasi die oberste Piraten-Frau im Lande.
"Ich habe mich nicht danach gedrängt", erklärte Angelika Beer beim jüngsten Piraten-Stammtisch. "Es hat sich einfach so ergeben." An der neuen Partei fasziniert sie "ein ganz anderes Politikverständnis". Sie möchte das verkrustete Schubladendenken aufbrechen, spricht sich für mehr Transparenz aus und gegen das "Prinzip der Geheimhaltung", das der modernen Wissensgesellschaft zuwiderlaufe. Für den Landesparteitag, der am Sonntag im Kiek In stattfindet, hat Angelika Beer einen Antrag eingebracht, der sich mit Bürgerrechten und der Stärkung der Demokratie beschäftigt. "Wir arbeiten fließend am Wahlprogramm weiter. Das dauert piratisch eben sehr lange", erklärt die Piratin mit der grünen Geschichte.
Überhaupt ist Neumünster einer der Stützpunkte der Piratenpartei. So kandidiert mit Wolfgang Dudda ein Neumünsteraner - der jetzt allerdings in Kiel wohnt - sogar auf Platz 2 der Landesliste.
Angezogen vom Politikstil der Piraten fühlen sich etwa Jochen Behrens (47) und seine Tochter Thea (19) aus Aukrug. Vater Behrens ärgert sich "über die zunehmende Überwachung der Bürger und die Aushöhlung des Grundgesetzes". Für ihn ist es auch eine rein akademische Diskussion, ob die Piraten den Sprung in den Landtag schaffen oder nicht; er räumt dem Prozess der öffentlichen Debatte sowieso den Vorrang ein. Seine Tochter Thea sieht es ähnlich: "Die anderen Parteien sind stark eingefahren. Es bewegt sich nichts mehr."
Ex-Soldat Peter Matthiesen (65) ist nach eigenen Angaben noch nie Mitglied einer Partei gewesen. "Und das wird auch so bleiben", sagt er. Doch er sieht, dass seine Ehefrau Angelika Beer "wieder Spaß an der Politik hat". Das könnte da ran liegen, dass die Piraten "nicht nur in Schwarz-Weiß reden, sondern auch Grautöne kennen", wie Matthiesen sagt.
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