FLENSBURGER TAGEBLATT
Hanseraumkonferenz
Wirtschaft in 3000 Metern Höhe
Flensburg. Dieser Tage wird die Fördestadt von norddeutschen Jungunternehmern bevölkert: Rund 600 Geschäftsleute haben sich zur Hanseraumkonferenz (Hako) der IHK-Wirtschaftsjunioren in Flensburg versammelt. Gestern wurde die Konferenz offiziell eröffnet: In der vollbesetzten Sankt-Nikolai-Kirche gab es statt einer Predigt Grußworte von Staatssekretärin Cordelia Andreßen und eine überraschende Auszeichnung für Ulrich Spitzer: Der IHK-Geschäftsführer wurde zum "Senator" der Wirtschaftsjunioren ernannt. Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hatte sein Kommen zwar angekündigt, blieb der Eröffnungsveranstaltung aber aus "terminlichen Gründen" fern. "Die freundliche Absage des Ministerpräsidenten konnte die Stimmung nicht trüben", sagt Hako-Sprecher Timo Klass.
Nach dem Kirchenbesuch wurde die Entscheidungsfreude der jungen Führungskräfte auf die Probe gestellt: So können sich die Teilnehmer aus 65 Programmpunkten ihren Aufenthalt individuell zusammenstellen.
Für die Hamburgerin Christina Jagdmann geht es bei der Konferenz in erster Linie "um Spaß und Netzwerk". Sie und Freund Markus Wätzel haben sich neben rund zehn weiteren Wirtschaftsjunioren für das Sprech- und Stimmtraining entschieden. "Ich wünsche mir mehr Stimmpräsenz in Verhandlungen", erläutert die 34-jährige Hamburgerin ihre Erwartung an den Workshop. Mittlerweile ist die Stimmtrainerin Isabel Garcia, die bereits für RSH und den NDR arbeitete, eingetroffen. Das vierstündige Seminar kann beginnen.
Ein anderer Wind weht auf dem Sportflugplatz Schäferhaus: Hier bekommen die Wirtschaftsjunioren Maik Wölfle und und Caroline Vöge letzte Anweisungen. In wenigen Minuten sollen sie in 3000 Metern Höhe aus einem Flugzeug springen. Für beide ist es der erste Fallschirmsprung. Doch ganz alleine sind sie nicht - sie springen im Tandem - jeweils an einen erfahrenen Springer gegurtet. So kurz vor dem Sprung stellt sich bei Caroline Vöge dann doch schleichender Zweifel ein: "Mir ist heiß - so sicher bin ich mir gerade nicht mehr." Aber offenbar ist ihr Wille zum Sprung größer, und sie klettert in das kleine Sportflugzeug. Durch die Heckscheibe recken die Junioren Wölfle und Vöge noch einmal optimistisch den Daumen in die Höhe. Dann hebt das Flugzeug ab - es gibt kein Zurück.
"Über die drei Tage unserer Konferenz haben sich 26 Leute für den Tandemsprung angemeldet", berichtet Mitorganisator Heiko Vollertsen. Bereits seit drei Jahren laufen die Vorbereitungen für die Flensburger Hako 2010. Rund 70 Wirtschaftsjunioren kümmern sich seither um die Organisation.
Weit weg von Tagungsorganisation und Termindruck sind die Kinder an diesem Tag: Am Nachmittag stehen sie in kleinen Grüppchen auf dem Minigolfplatz in Wassersleben. Alle tragen blaue Hemden: Sie sind die Junioren der Wirtschaftsjunioren. "Bisher habe ich drei Löcher gespielt - und bis jetzt lief’s ganz gut", gibt der neunjährige Carli aus Bremen zu Protokoll. Der 14-jährige Fabius freut sich hingegen über einen elternfreien Tag: "Mal so ein Tag ohne Eltern ist gut - aber sie werden mir sicher später erzählen, was sie heute alles gemacht haben." Im Anschluss geht es für die Kinder in ein Heuhotel - ihre Eltern werden währenddessen den "Team-Ball" im Deutschen Haus besuchen und dort von Tandemsprung oder Stimmtraining berichten.
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