FLENSBURGER TAGEBLATT

 

"Wir können die Energiewende nicht zurückdrehen"

16. November 2012 | 00:00 Uhr | Von dme


Diskutierten in Kropp die Energiewende: Andreas Eichler (Vestas), Minister Robert Habeck, Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Bauernpräsisdent Werner Schwarz. (von links). Foto: Weiss

Diskutierten in Kropp die Energiewende: Andreas Eichler (Vestas), Minister Robert Habeck, Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und Bauernpräsisdent Werner Schwarz. (von links). Foto: Weiss

230 Gäste bei Kropper Herbstgesprächen mit Minister Robert Habeck, Bauernpräsident Werner Schwarz und Peter Harry Carstensen

Kropp. Biogas, Photovoltaik, Windkraft - die Möglichkeiten, Atomstrom durch regenerative Energie zu ersetzen, sind vielfältig. Ob und wie die Energiewende gelingen kann, diskutierten bei den 12. Kropper Herbstgesprächen Schleswig-Holsteins Energiewende-Minister Robert Habeck, Ex-Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, Andreas Eichler, Vestas-Verkaufsleiter für Deutschland, und der schleswig-holsteinische Bauernpräsident Werner Schwarz. Gut 230 Menschen, darunter Bürgermeister der Umlandgemeinden, Kreispräsident Eckhard Schröder, und viele Kropper hatten sich zu der Veranstaltung im Kropper Autohaus Thomsen eingefunden.

Die Energiewende muss weitergehen, darin waren sich alle Podiumsteilnehmer einig, auch darüber, dass der Norden Schleswig-Holsteins als Windenergie-Lieferant dabei eine herausragende Rolle spielen kann, soll - ja muss. Auf dem Weg dahin gibt es allerdings noch einige Klippen zu umschiffen. Die Akzeptanz von Windkraftanlagen und Stromtrassen etwa müsse noch verbessert werden. "Viele Bürger sind für die Energiewende, aber wollen das vor der Haustür nicht haben", hat Andreas Eichler festgestellt.

Für Peter Harry Carstensen ein lösbares Problem: "Wenn die im Koog nicht wollen, dass man ihnen Windräder hinstellt, muss man dafür sorgen, dass sie etwas davon haben", sagte er. Aber man müsse die Betroffenheit ernst nehmen. Für ihn steht allerdings auch fest: "Wir können die Energiewende nicht zurückdrehen." Er befürchtet, dass Egoismen der Bundesländer zum Problem werden können. "Das muss zentral von Berlin geregelt werden. Der Strom muss erzeugt werden, wo er am günstigsten ist - und das ist hier im Norden."

Energiewende-Minister Habeck stellte klar, dass der Ausbau der Stromtrassen entscheide, "ob wir die Energiewende umsetzen können. Klar ist, dass wir Trassen bauen müssen. Es ist sinnlos, nur Mühlen zu bauen." Dabei müssten die Menschen mitgenommen werden. "Mit Basta geht es nicht. Mein Eindruck ist, wir kriegen es hin", sagte er.

Auch Bauernpräsident Werner Schwarz sieht zur Energiewende keine Alternative. Viele Kollegen hätten die Änderungen des Erneuerbare-Ener gien-Gesetzes (EEG) als Chance gesehen und die Gelegenheit ergriffen. Ein ungelöstes Problem seien jedoch die surrenden Stromleitungen, die niemand in seiner Nähe haben wolle.

Eine klare Absage erteilte Habeck der Verlegung von 380-kV-Leitungen unter die Erde. Während Erdkabel für 110-kV-Leitungen Stand der Technik sind, sei dies für 380-kV-Leitungen keine Option, da der Betrieb viel zu störanfällig sei. Erst in geschätzt zehn Jahren könne dies erwogen werden. Man müsse aber jetzt handeln. "Wenn wir heute nicht bauen, können wir die gesamte Energiewende stoppen", sagte Habeck. "Wir haben keine andere Chance, als die Leitungen zu bauen."


 
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