FLENSBURGER TAGEBLATT
Abstimmung im Planungsausschuss
Neues Wohnen unterm Wasserturm
Flensburg. Nach sechs Jahren langwieriger Planung samt städtebaulichem Wettbewerb hat der Planungsausschuss gestern Abend den Weg für rund 190 neue Wohnungen zwischen Mürwiker Straße und Wasserturm in Fruerlund freigemacht. Nach kurzer kontroverser Diskussion um das bisherige Verfahren stimmte am Ende lediglich Glenn Dierking (SSW) dagegen, die gestern von Axel Waltje vorgestellte Planungsidee des Büros Asmussen und Partner zur Grundlage für das Bauleitverfahren zu machen. Nach einer bereits für den Februar vorgesehenen Öffentlichkeitsbeteiligung könnte damit der Weg frei sein für die Pläne der Flensburger Investorengruppe. Im vergangenen Frühjahr hatten sich der Selbsthilfe-Bauverein (SBV), das Bauunternehmen Höft und Bauplan Nord zusammengetan, um das Wasserturm-Projekt mit einer Mischung aus Geschosswohnungsbau und Eigenheimen wieder zum Leben zu erwecken. Der Ausschuss beschloss seinerzeit mit zehn gegen zwei Stimmen (je eine von SSW und WiF), den zweiten Preis des Wettbewerbs, den Entwurf des Hamburger Architekturbüros PSP, zur Grundlage ihrer Bauleitplanung zum machen. Mittlerweile hat die reine Flensburger Investorengruppe das Plangebiet gekauft - "mit der Option, Baurecht zu erlangen", wie SBV-Chef Raimund Dankowski erklärte.
Architekt Waltje erntete gestern bei der Vorstellung des Projekts aus Reihenhäusern, Stadthäusern, dreigeschossigen Doppelhäusern und bis zu fünfgeschossigen Mehrfamilienhäusern in Richtung Lautrupsbach im Süden ganz überwiegend Zustimmung. "Die mehrgeschossigen Wohnhäuser sollen eigentlich in einem Park stehen", erklärte Waltje. Ein Wasserband mitten durch das sieben Meter abfallende Gebiet soll Freizeitqualität und Entwässerung zugleich ermöglichen. Unter den Geschosswohnungen sind Tiefgaragen geplant - und auf allen Gebäuden Photovoltaik-Elemente.
SBV-Chef Dankowski, in dessen Haus der Ausschuss gestern - nur einen Steinwurf vom Planungsgebiet entfernt - an der Mürwiker Straße tagte, zeigte sich voll des Lobes für die Pläne: "Dies trifft zu 100 Prozent das, was wir uns vorgestellt haben."
Kurt Neumann (CDU) lobte die neuen Planungen inhaltlich ebenso wie praktisch alle Ausschussmitglieder, die sich zu Wort meldeten: Flächensparend und ökologisch sei das Projekt mit seinen 140 Geschosswohnungen und bis zu 50 Eigenheimen. Er erinnerte aber auch daran, dass er bereits im ersten Schritt davor gewarnt hatte, nur den Siegerentwurf für die Investorensuche zu nehmen - Pläne, für die sich später keine Finanzierung fand.
Herbe Kritik kam allein von Glenn Dierking: Es sei nicht in Ordnung, wenn sich ein Architekturbüro jetzt aus den besten Ideen aller neun Wettbewerbsbeiträge bediene, das ursprünglich gar nicht im Rennen gewesen sei. "Das ist eine Riesensauerei", ereiferte sich der SSW-Ratsherr. Die Zweit- und Drittplatzierten des Wettbewerbs hätten keine Chance mehr gehabt.
Diese Minderheitsmeinung wollte Dankowski keinesfalls so stehen lassen: Man habe das Verfahren völlig transparent durchgeführt: "Wir haben auch PSP eingeladen, und jeder hat die gleiche Chance gehabt."
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