FLENSBURGER TAGEBLATT

 

Sanierung

Landgewinn am Harniskai in Flensburg

25. Februar 2013 | 06:50 Uhr | Von Joachim Pohl


Schräg hinein in die Tiefe: Von der Wasserseite aus treiben die Arbeiter die Anker bis zu 40 Meter weit in den Hafengrund. Foto: Dewanger

Schräg hinein in die Tiefe: Von der Wasserseite aus treiben die Arbeiter die Anker bis zu 40 Meter weit in den Hafengrund. Foto: Dewanger

Flensburg wächst. Durch die Kaikanten-Sanierung am Ostufer wird die Landfläche um rund 660 Quadratmeter größer. Die Sanierung ist eigentlich ein Neubau. Im Asphalt klaffen tiefe Risse.

Flensburg. Es ist bitterkalt im Schatten der Silos. Auf dem Wasser vor der Spundwand hat sich eine dünne Eisschicht gebildet. Ein paar Dutzend Arbeiter trotzen am Harniskai seit Wochen der Kälte und dem eisigen Wind. Hier am Hafen-Ostufer wächst Flensburgs Landfläche bis Ende Juni um rund 660 Quadratmeter: Auf einer Länge von gut 110 Metern wird der Harniskai um etwa sechs Meter verbreitert.

Frank Partik, Geschäftsführer der Flensburger Hafen-GmbH, zeigt auf breite Risse im Asphalt und regelmäßige Absenkungen vor dem Backstein-Silo: "Wir hätten nicht mehr lange warten dürfen", sagt er. Die Kaikante stammt nach seinen Informationen aus den 30er Jahren, ist an vielen Stellen unterspült und schlicht abgängig. "Schon 2006 ist hier ein ganzer Lkw weggesackt", erinnert er sich . "Da hatten wir ein Riesenloch in der Oberfläche."

"Bis jetzt läuft alles sehr gut"

Die Kaikanten-Sanierung ist genau genommen ein Neubau: Sechs Meter vor dem brüchigen Betonbauwerk wurden zu Beginn der Arbeiten im November 22 Meter lange Spundwandbohlen aus 13 Millimeter dickem Stahl in den Hafengrund gerammt. Doch das allein reicht noch nicht. Die Spundwand wird mit 86 so genannten Schrägankern - das sind 50 Millimeter dicke profilierte Stahlstangen - von 35 bis 41 Metern Länge fixiert. Die Firma GUP aus Hannover bohrt die Anker von der Wasserseite aus tief in den Grund. Zum Schluss wird mit hohem Druck flüssiger Beton ins Erdreich am Ende des Ankers gepresst, der sich im Untergrund ausdehnt und das Ankerende noch besser im Boden fixiert. Gegen Korrosion ist der Anker auf ganzer Länge mit einer dünnen Betonschicht in einer Künststoffhülle ummantelt.

"Bis jetzt läuft alles sehr gut", sagt Dipl.-Ing. Welf Schwampe vom Ingenieurbüro Knabe Enders Dührkop (KED) aus Hamburg. KED hat die Maßnahme "Erweiterung Wirtschaftshafen Flensburg" für die Stadt geplant und begleitet die Arbeiten nun als Bauoberleitung und Bauüberwachung. Generalunternehmer ist die Firma Bohlen & Doyen, Bauherr die Stadt Flensburg. "Wir hatten kaum Hindernisse", so Schwampe. "Der Kampfmittelräumdienst war vorher hier, hat aber nichts gefunden." Taucher haben unter Wasser den Anschluss der neuen an die bestehende Kaikante aus den 80er Jahren geschweißt.

Kaisanierung kostet bis zu 3,4 Millionen Euro

Der Zwischenraum zwischen alter und neuer Kaikante wird mit etwa 6500 Kubikmetern Sand verfüllt - das entspricht 250 Lkw-Ladungen. Von der alten Kaikante wird etwa ein halber Meter abgetragen, um Platz für den neuen Straßenaufbau zu haben. Nahezu auf der ganzen Länge des neuen Kais werden die Gleise für den Kran verlegt bzw. verlängert. Hier werden später die Lasten am höchsten sein, und deshalb werden hier 60 Zentimeter dicke Betonpfähle 25 bis 35 Meter tief in den Boden gebohrt; darauf lagern horizontal die mächtigen Kranbahnbalken aus Beton.

Die seit Jahren geplanten Arbeiten lässt sich die Stadt einiges kosten: Auf 3,2 bis 3,4 Millionen Euro schätzt Frank Partik die Kosten. Davon sind 75 Prozent Mittel der Europäischen Union, den Rest trägt die Stadt. "Nach jetzigem Stand werden Kosten und Termin eingehalten", sagt Welf Schwampe. Dass die Kaikante in Zukunft gebraucht wird, untermauert Wolfgang Lipfehrt, Bauleiter von Bohlen und Doyen: "Hier ist viel Schiffsverkehr", hat er beobachtet, "das läuft wie verrückt." Das kann man von der Frequentierung der nebenan ruhenden Europa-Wiese nicht behaupten. Die hochgradig eingezäunte Betonfläche war 2012 der erste Bauabschnitt der gesamten Hafen-Baumaßnahme und hat, da sie seit Fertigstellung ungenutzt blieb, viel öffentliche Kritik ausgelöst.


 
Leserkommentare
 
KAY PETERS 25.02.2013 07:21
Das läuft wie verrückt...

Wieder einmal bedarf es eines "Zugereisten", um festzustellen, dass doch alles ganz toll läuft in Flensburg. Wurde der Hafenumschlag doch von der hiesigen Presse bislang kleingeredet und als gefärdet dargestellt...
Und 5.670.- für 1 m2 Lagerfläche sind doch geschenkt angesichts des wachsenden Umsatzes.
Und da Europa, sonst immer gern verteufelt für seine aberwitzigen Projekte in südlichen Gefilden, auch noch 75% dazubezahlt, kann man ruhig ein bisschen grösser denken; die Stadt zahlt ja nur 850.000.- dafür.
Eine notwendige Kaikantensanierung, und man bekommt 600m2 Fläche und ein Moos- und Flechtenbiotop mit Hochsicherheitszaun und automatischen Toren noch dazu.
Die Baufirma durfte diese Fläche (ex Europawiese) übrigens, wohl wegen der immer noch ungeklärten Besitzverhältnisse, nicht für ihr Baugerät benutzen und musste im Anschluss selber noch mal einzäunen.
Obwohl dies zuletzt von einer Landessprecherin noch als der wahre Grund für den Aufwand von zusätzlichen 800.000.- € genannt worden war. Aber Herr Brüggemann hat wohl immer noch keine Zeit gefunden, mit Herrn Patik einen Vertrag zu formulieren. Ist halt immer sooo viel zu tun; läuft wie verrückt in Flensburg.

MARKUS HANSEN 27.02.2013 17:16
Flensburg... Das Aktuelle Schilda????

Jeden Tag neue Kuriositäten von Schilda Nord...



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