SCHLESWIGER NACHRICHTEN
Virtuosinnen verliebt in die Förde
Kraft tanken an der Ostsee: Auch bei rauem Wetter genießen Angelika Bachmann (l.) und Iris Siegfried den Glücksburger Strand. Foto: staudt
Glücksburg. Keck, unwiderstehlich, Salut Salon. Diese Damen, die eigentlich rotzfreche Gören sind, kriegen alle. Mit taufrischem Esprit, mitreißender Komik und einer mit unerwarteten Effekten gespickten Bühnenshow begeistert das Quartett selbst bekennende Klassikmuffel - weil diese gar nicht merken, dass ihnen da ein Bach oder Mozart auf der Bühne arrangiert wird. Musikkenner verzeihen den attraktiven, im kleinen Schwarzen, mit ihren Instrumenten über die Bühne stöckelnden Künstlerinnen auch den schrägsten Cross-Over zwischen Klassik, Pop, Folk oder Chanson, weil sie hinter aller Leichtigkeit ihr virtuoses, schon seit Kindertagen klassisch ausgebildetes Ausnahmetalent erkennen. Weltweit wird der Hamburger Kultur-Export Salut Salon gefeiert, auch in den großen deutschen Häusern.
Premiere des neuen Programms ist am 7. Juli im Hamburger Thalia Theater. Doch ein kleiner Kreis darf es schon vorher genießen - das Publikum des heutigen und morgigen "Strandguts" im Glücksburger Strandhotel. Dort wird seit Sonntag am Feinschliff des "Haifischs im Aquarium" gefeilt.
"Diese Luft, das Meer und die herzliche Art, wie wir hier betüddelt werden - bessere Arbeitsbedingungen gibt’s nicht. Deshalb kommen wir immer wieder", sagt Angelika Bachmann, nach einem harten Probentag, in Jeans, kaum geschminkt, noch immer voller Power. "Glücksburg und die Förde sind zauberhaft. Schon beim ersten Auftritt haben wir uns verliebt", schwärmt Iris Siegfried. Die beiden Violinen gründeten Salut Salon vor gut zehn Jahren in Hamburg. Die Besetzung am Cello und Piano hat seitdem variiert. "Wir zwei wollten zusammen etwas machen, das Spaß bringt. Dass das heute ein Job ist, kann ich immer noch nicht fassen", sprudelt es aus Angelika Bachmann heraus - in ihrer markanten Tonlage, mit frechem Nasenzucken und diesem unnachahmlich herzhaftem Lachen, das manchen Auftritt schon zu schmeißen drohte. "Es reichen Kleinigkeiten - und schon stecken wir uns beim Lachen an und kriegen uns nur schwer wieder ein", beschreibt Iris Siegfried. "Wir sind halt Sonnenkinder - und konsequent konzeptlos", versucht Angelika Bachmann mit der nächsten Lachsalve mitzuteilen. Konzeptlos? Die einzelnen Stücke, unter denen es auch exzellent ruhige, pure klassische Töne gibt, werden intensiv geprobt, doch die Reihenfolge, oder das, was zwischen und während der verschiedenen Bilder passiert, ist jeden Abend völlig offen.
Sonja Lena Schmid (Cello) und Anne von Twardowski (Klavier) komplettieren seit einigen Jahren das klassisch komische Quartett. Vier Frauen auf der Bühne und auf Welt-Tournee, ohne Zickenalarm kann das doch nicht abgehen. "Gar nicht. Die Wünsche, Vorschläge und Kritik von jeder nehmen sich die anderen zu Herzen", sagt Iris Siegfried. "Jede von uns hat hier auch die Leitung über einen Probetag - morgen bin ich es", droht Angelika Bachmann charmant. Die beiden Frontfrauen verstehen sich nicht nur auf der Bühne wortlos. "Wir sind seit 26 Jahren befreundet. Falls es ernsthafte Meinungsverschiedenheiten gibt, würden wir lieber Salut Salon aufgeben als unsere Freundschaft", betont Angelika Bachmann.
Klassisch verführt oder Herzenssache - berührend emotionale Titel gaben die auf der Bühne äußerst attraktiv verpackten Solistinnen - "Das Auge isst doch mit", so Angelika Bachmann - ihren Programmen bisher. Nun der Haifisch im Aquarium? "Wir werden langsam erwachsen", schießt es aus der Hamburgerin heraus. Gefühl pur gibt es natürlich weiterhin. Der Haifisch, den Salut Salon in einem Saint-Saens-Aquarium eintauchen lassen, ist ein Stück von Astor Piazzolla. "Ohne ihn geht es nicht", betont Iris Siegfried.
"Wir stecken in der schwierigsten Phase vor einer Premiere - wir werden hier wild experimentieren", kündigt Angelika Bachmann an. Glücksburg darf sich also auf besondere Kulturgenüsse freuen.
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