FLENSBURGER TAGEBLATT
Salut Salon
Parforceritt von Pop bis Polka
Witzig und schräg - zwei Geigen im rasanten Wettstreit (Angelika Bachmann, links, und Iris Siegfried). Foto: Dommasch
Flensburg. Augenschmaus und Ohrenschmeichler: Die Ansprüche der 900 Gäste, die in freudiger Erwartung ins Deutsche Haus geströmt waren, wurden am Donnerstag perfekt bedient. Zu Gast: Das von Chile bis China hochgelobte Frauen-Quartett "Salut Salon", das ohne Vorspiel zur Sache kam und mit Salonmusik so gar nichts am Hut hat.
"Um alles in der Welt" heißt die Gala der Vorzeige-Musikerinnen, mit der sie schon länger um den Globus touren. In medias res also - ungebremst, leidenschaftlich, voller Spielwitz. Sogleich geht es auf die musikalische Reise, ein Parforceritt durch die Welt der populären Klassik, traditioneller Weisen und Schlager - von "irgendwo bei Flensburg" über den Balkan bis ins Reich der Mitte. Inspiriert von ihren zahlreichen Exkursionen, ist ein Genre-Mix entstanden, der wie ein Taifun über das Publikum fegt, den einen oder anderen schwindeln und Puristen schaudern lässt. Gerade noch in den Fängen von Mussorgskys Hexe Baba Yaga, plätschert man schon munter in der Moldau und taumelt plötzlich mitten in den Todes-Tango Piazzollas. Da mutiert die Pianistin zur Eier legenden Henne, der Violine wird das Geräusch zermalmter Gebeine entlockt.
Natürlich lässt sich darüber streiten, ob es erheiternd oder aber Unfug ist, den Bruder Jakob im grandiosen Finale mit dem Bachschen Air, dem Ärzte-Song "Zu spät" und weiteren Zutaten zu verquirlen. Letztlich aber sind es die unbändige Spielfreude und Virtuosität, die Choreografie, aber auch die sympathische Selbstironie, die Angelika Bachmann und Iris Siegfried (Geige), Sonja Lena Schmid (Cello) und Anne von Twardowski (Klavier) über alle Zweifler triumphieren lassen. Und Willi aus der ersten Reihe (der mit den drei blauen Augen) sowie anderen Herren der Schöpfung dürfte angesichts der blendenden Aussichten auf der Bühne die Angst vor Klassik schlagartig abhanden gekommen sein.
Lust auf mehr? Das Flensburger Tageblatt jetzt
2 Wochen kostenlos testen.





