FLENSBURGER TAGEBLATT
Nach der Schule ist vor der Schule
Einmal im Jahr diskutieren Schulleiter Hans Hermann Henken, Schulrätin Ursula Gern und Sozialarbeiter Olaf Fuhrmann (v.l.) die aktuellen Schulabgängerzahlen und versuchen, auch für die bislang unversorgten Jugendlichen passende Angebote zu finden. Foto: Harding
Schleswig-flensburg. Das Bildungssystem befindet sich nach wie vor im Wandel, fünf Gemeinschafts- und elf Regionalschulen im Kreis wurden etabliert, die sieben Hauptschulen laufen aus, Realschulen gibt es nicht mehr. Und auch, wenn die entsprechenden Abschlüsse bestehen geblieben sind, so hinterlässt der Wandel doch auch in der Absolventenstruktur deutliche Spuren: Die Schulabgänger im Kreisgebiet jedenfalls streben in zunehmenden Maße höhere Bildungsabschlüsse an. Das spiegelt sich in einer aktuellen Statistik von Schulamt und Berufsbildungszentrum (BBZ) in Schleswig wider.
Einerseits ist der Anteil der Absolventen mit Hauptschulabschluss - gemessen an der Gesamtzahl der Schulabgänger - gegenüber dem Vorjahr um 8,5 Prozent gesunken. Andererseits ist die Zahl insbesondere jener Schulabgänger mit mittlerem Bildungsabschluss, die eine weiterführende Schule besuchen wollen, deutlich gestiegen.
"Wir haben insgesamt eine höhere Abschlussqualität", sagt BBZ-Schulleiter Hans Hermann Henken. "Das merken wir auch an den sinkenden Anmeldezahlen für die Hauptschulkurse." Dass er sich darin so sicher sein kann, liegt an der lückenlosen Erhebung des Verbleibes von Schulabgängern. Seit einigen Jahren erfasst das BBZ systematisch, wie viele Schulabgänger im Kreisgebiet eine Zusage für einen Ausbildungsplatz oder für den Besuch einer weiterführenden Schule haben, wie viele Schüler in eine berufsvorbereitende Maßnahme wechseln und wie hoch die Zahl der unversorgten Schulabgänger ist.
Nach Ende des vergangenen Schuljahres gingen im BBZ 2133 ausgefüllte Fragebögen ein, eine Rücklaufquote, die so hoch ist, dass BBZ und Schulamt einen genauen Überblick über die Situation der jungen Schulabsolventen haben - mit Ausnahme der Gymnasien, denn für diese sind weder BBZ noch Schulamt, sondern das Bildungsministerium verantwortlich.
Ein Team von drei Fachleuten um Coach Olaf Fuhrmann wertet die erhobenen Daten aus und beginnt dann sofort damit, Jugendliche, die noch vor unklaren Perspektiven stehen, zu unterstützen. Dabei genüge manchmal ein Anruf oder ein Kurzbesuch, sagt Fuhrmann. In anderen Fällen müssten ganz individuell die weiteren Qualifizierungsschritte vorbereitet werden. Dabei greifen Fuhrmann und seine Kollegen auf ein inzwischen engmaschiges Netzwerk zurück, in das neben dem BBZ auch Schulen, Sozialzentren und Bildungsträger eingebunden sind. Die Zahl von 270 unversorgten Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren konnte von Mitte August bis Stand gestern auf 142 gedrückt werden. Schulrätin Ursula Gern ist angetan vom Schleswiger Modell. "Die Kooperation von Schulen und beruflicher Bildung ist im Kreis Schleswig-Flensburg vorbildlich."
Insgesamt verließen im Juli kreisweit 794 Schüler die Regelschule mit mittlerem Schulabschluss, 635 mit Hauptschul- und 65 mit Förderschulabschluss. Die Tendenz zur weiterführenden Schule wird vor allem bei den Schulabgängern mit mittlerem Bildungsabschluss deutlich: Denn die Zahl jener, die bereits Ende Juli einen Ausbildungsplatz nachweisen konnten, ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich von 40,2 auf 33,6 Prozent (gesamt 267) gesunken. Gleichzeitig stieg aber der Anteil jener Absolventen, die das Fachabitur anstreben, von knapp 38 auf über 43 Prozent (343). Der Anteil der Hauptschulabgänger mit Ambitionen auf einen mittleren Bildungsabschluss sind ebenfalls hoch: Ihr Anteil liegt aktuell bei fast 47 Prozent (301).
Was das BBZ auch angesichts der neuen Abiturangebote in Süderbrarup und Kappeln durchaus freut, könnte sich für das im Kreis traditionell stark vertretene Handwerk negativ auswirken. Den Betrieben stehen immer weniger geeignete Schulabgänger für die Ausbildung zur Verfügung. In vielen Gewerken werden aktuell noch Azubis gesucht.
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